Die Preziosa Reihe des audiophilen Labels Darbringhaus und Grimm vereint besonders gelungene Aufnahmen aus der Frühgeschichte des Hauses, die damals noch auf Schallplatte erschienen sind.
Das Album mit dem Sestetto Classico, aufgenommen bereits 1982 im Kammermusiksaal der Oetkerhalle in Bielefeld, vereint wahre Schätze und Raritäten der Kammermusik von Johann Nepomuk Hummel und Henri Jerôme Bertini, es wird ab August 2025 erhältlich sein.
Und zwar sind darauf zu hören: das Klavier-Quintett op. 87 von Hummel und das Grand Sextuor für Klavier und Streichquartett plus Kontrabass op. 90 von Bertini. Ich bewege mich ohnehin gerne auf meiner Website abseits vom Mainstream und dies Album passt hier also wunderbar.
Die Pianistin Hiroko Maruko bringt hier einen alten Steinway Flügel von 1912 mit perlend atmenden Läufen zum Leuchten.
Gerhard Miesen und Laurentius Bonitz an den Violinen, Bertram Banz Viola, Eric Plumettaz, Violoncello und Ichiro Noda Kontrabass begleiten mit größter Raffinesse und wunderbar warmem Streicher-Klang.
Johann Nepomuk Hummel war immerhin ein Schüler Wolfgang Amadeus Mozarts sowie von Haydn, Albrechtsberger und Salieri und später wurde Hummel Hofkapellmeister in Stuttgart und endlich in Weimar.
Er war einer der besten Pianisten seiner Zeit und ein außerordentlicher Komponist. Wunderbar sind seine Klavierkonzerte. Heute wird Hummel leider selten in Konzerten gespielt. Abgesehen von seinem glanzvollen Trompeten-Konzert.
Das Es-Moll Klavierquintett Hummels von 1802 trägt gewissermaßen den Geist Mozarts in die Romantik. Der geheimnisvolle aufgewühlte Kopfsatz lebt von Kontrasten eines risoluten Themas und einem lyrischen Seitengedanken. Das Scherzohafte Menuetto lässt tänzerische Funken sprühen. Sehr poetisch bringt das kurze Largo einen Ruhepunkt, bevor das elegante Schluss-Rondo an Mozart anknüpft.
Ein Meister eigener Klasse war der französische Komponist Henri Jerôme Bertini, kurz vor 1800 in London geboren, da seine Eltern während der Revolution klugerweise Frankreich verlassen hatten und 1876 auf seinem Landsitz bei Grenoble verstorben. Heute ist Bertini zu unrecht nur noch Kennern geläufig. Bertini gab mehrere Klavier-Lehrwerke heraus und komponierte für den Flügel in der Nachfolge Fields und Chopins sehr anspruchsvolle und wunderbar elegante Kammermusik voller Esprit.
Wie Samt und Seide fließen seine Melodien, meinte bereits bewundernd Robert Schumann. Sein in warmen Klangfarben schwelgendes Grand Sextuor mit fast orchestraler Klangpracht beginnt mit einem federnden Allegro voller Lebensfreude, wie vom besten Champagner inspiriert. Es wirbeln Streicher und Fortepiano um die Wette. Eine liedhafte Weise wird im langsamen Satz durch alle Stimmen geführt. Markant ist das Ballett-artige Menuet und mit Pizzikato Skalen eröffnet das feurige Finale.
Es ist einfach eine Freude auf dieser Aufnahme, Hummel und Bertini zu hören. Mit Esprit, Feinsinn und voller Eleganz wird dieser Salon musikalischer Preziosen gegeben. Eine echte Empfehlung abseits des Mainstream-Repertoires.
Jean B. de Grammont