Kammermusik von Robert Kahn

Der Komponist Robert Kahn ist heute weitgehend vergessen und eine Renaissance seines kleinen und erlesenen OEuvres, das hauptsächlich aus Kammermusik und Liedern besteht, mehr als gerechtfertigt.

Zählt Kahn doch zu der verfemten Generation jüdischer Komponisten der klassischen Moderne. Wenngleich sein Stil eher weitgehend der Spätromantik verpflichtet ist.

Um 1865 in eine jüdische Kaufmannsfamilie hineingeboren, studierte Kahn zunächst bei Josef Rheinberger in München Komposition.

Nach 1890 kam es in Wien zu einer Begegnung mit Johannes Brahms. Dies war für den jungen Robert Kahn ein stilbildendes Ereignis.
Desgleichen unterhielt Kahn eine enge Verbindung zum Geiger Joseph Joachim und seinem Streichquartett, ferner trat Kahn gemeinsam mit dem bekannten Klarinettisten Richard Mühlfeld auf, der bekanntlich Johannes Brahms zu seinen Meisterwerken mit Solo-Klarinette inspirierte.

Kahn war hauptsächlich in Berlin tätig, bis er in den 1930iger Jahren rechtzeitig vor der Verfolgung durch den Nationalsozialismus nach England emigrieren konnte und dort endlich 1951 mit 86 Jahren starb.

Wieder ist es das Verdienst des Entdeckerlabels CPO, solch ein Nischen-Repertoire einem großen Kreis an Musikfreunden bekannt zu machen.

Zuletzt erschien eine Doppel-CD mit der Einspielung aller drei Klavier-Quartette und der Serenade für Streich-Trio von Robert Kahn interpretiert vom Zilliacus Trio zusammen mit dem Pianisten Oliver Triendl.

Alle drei Klavier-Quartette erweisen sich als gewichtige Werke, die alle in Moll-Tonarten stehen. Das erste der Klavierquartette ist dreisätzig, die beiden folgenden Werke enthalten zusätzlich einen scherzoartigen Tanzsatz.
Der Klavierpart ist ähnlich dicht gearbeitet wie bei Johannes Brahms und das Streichtrio umrankt diese Tastenspiele mit expressivem Ausdruck und geschliffenen Linien, aufgegliedert in melodische Themen und ziselierte Details.
Das ist eine einfallsreiche, gekonnt komponierte Musik mit viel Poesie in den verträumten langsamen Sätzen und entsprechender Furore in den raschen Eröffnungs- und Final-Stücken, denen sich tänzerischer Schwung und rhythmische Brillanz nicht nur in den eingewobenen Scherzi beigesellt.

In Form einer Reminiszenz an das Divertimento des 18. Jahrhunderts erscheint die feinsinnige Serenade in A-Moll, die so möchte man meinen uns die Klangwelt des berühmten Mozart Trios in die klassische Moderne übersetzt, wenn freilich auch nur in drei höchst lebendigen tanzenden raschen Sätzen.
Robert Kahn, das ist zweifelsfrei gehobene Kammermusik für neugierige Kenner, die hier vortrefflich vorgelegt wird.

Jean B. de Grammont