Konstanzer Konzert mit Uraufführung

Wieder gab es ein Konzert mit der Uraufführung des Concertino Fabuloso des Schweizer Komponisten Frédéric Bolli im Insel-Hotel in Konstanz.

Das Hotel hat indes an Glanz und Dekor eingebüßt, da die Vorstände vor lauter Zahlen zählen jeglichen Sinn für wahren Luxus verloren haben.
Immerhin hängt der Gobelin noch in der ehemaligen Dominikaner Kirche. Eigentlich sollte der doch beim Auktionshaus de Pury versteigert werden, samt den Motten passend zur Flämischen Provinienz..oder ist dies fake news oder ein schlecht kolportiertes Gerücht?
Wer es weiss, melde es dem make LÄND great again Komitee oder schweig stille!

Zum Glück wurde ich am Nachmittag von meiner Lieblingsbedienung sehr zuvorkommend umsorgt. Und meine allgemeine Heiterkeit förderte eine angenehme Zigarre mit poetischem Adelsprädikat. (Siehe den Beitrag zu Gilbert de Montsalvat auf haute-culture-jdg.de)
Contenance! Contenance!

Das Kammerorchester Pforzheim gastierte im Rahmen des beliebten Sommerfestivals des Lindauer Musikers Peter Vogel mit einem zwischen Popularität und Extravaganz changierendem Konzert mit gar einer Uraufführung des Schweizer Komponisten Frédéric Bolli. Ansonsten gab es mit Dimitri Schostakowitsch und Astor Piazolla keine ganz unbekannten Größen der klassischen Moderne.
Den Anfang machte allerdings ein englischer Exzentriker mit dem klingenden Künstlernamen Peter Warlock (das klingend bezieht sich auf den Nachnamen, das ist englischer Humor mit Vorsicht) mit einer der Capriol Suite im Stile antico, von tänzerischer Freude, die gar nicht vermuten lässt, das der Autor zu alkoholischen Exzessen neigte, denn es blieb alles im Takt. Allerdings starb Warlock unter ungeklärten Umständen an einer Gasvergiftung, Sherlock Holmes und Doktor Watson ermitteln bis heute.
Das Kammeorchester Pforzheim, hier in reiner Streicherbesetzung unter dem Dirigenten Douglas Bostock machte seine Sache gut und sauber mit frischem Schwung ging es die Tanzsätze an wie den noblen Basse Danse, eine Pavane, dem hüpfenden Tordio. Und anderen Stücken des Renaissance Choreografen Thorniau Arbeau. Lyrisches im Air und ein Schwerttanz schlossen das Ganze mit kraftvollen Rhythmen der Streicher.

Fast ein wenig in die Welt Joseph von Eichendorffs Erzählung die Glücksritter mit Klarinett und seinen Gesellen fühlt man sich versetzt bei Frédéric Bollis Concertino fabuloso, auch wenn die Musiksprache eine im besten Sinne klassisch gemäßigte Moderne ist. Eine echte Uraufführung auf der Insel zu Konstanz. Das fabulierende Concertino erzählt eine heiter amüsante Geschichte für Solo-Klarinette und Streichorchester. Auch an Carl Maria von Webers Concertini fühlt sich der Connaisseur weitläufig erinnert. Alexander Neubauer an der Klarinette gab dem heiteren ersten Satz quicklebendige Soli mit feiner Tongebung und quirligen Läufen. Lyrisch dicht wird es im zweiten Satz mit verträumten Kantilenen zu dichtgewebten Streicher-Teppich. Die Fabula terza, quasi ein Scherzo mit langsamen Trio, steuerte echte Capriolen bei und das ultima Fabelstück, kurz Fabultima purzelt auf einen völlig überraschenden Schluss-Akkord zu, wobei Klarinett zu seinen Gesellen den Point de Final mit Caprice setzte.

Astor Piazollas vier Jahreszeiten von Buenos Aires geben eine wunderbare Mischung aus Tango, Melancholie und Zitaten aus Antonio Vivaldis vier Jahreszeiten. Hier gab Ioana Christina Giochea mit viel Temperament und brillanter Fertigkeit ihre Violin-Soli ein, so dass es eine Freude war dieser Mischung aus Temperament und Leidenschaft zuzuhören.

Ein bemerkenswertes Werk ist Dimtri Schostakowitsch Klavier-und Trompeten-Konzert aus den 1930iger Jahren. Hier zieht der russische Großmeister alle Register seines Könnens und zitiert aus der Musikgeschichte Heroen wie Beethoven. Kaskaden und Brillanten an den Tasten zauberte Solist Özgür Aydin auf dem großen Steinway Flügel und Tobias Krieger wusste an der Flügel-Trompete mit und ohne Dämpfer martialische bis melancholische Melodien einzuflechten. Douglas Bostock hatte das Ensemble im Griff und wusste die russische Moderne samt allen Beteiligten würdig und mit Temperament umzusetzen.

Jean B. de Grammont