
Das Ensemble Les Timbres hat in der CD Collection Château Versailles Spectacles dem großen Meister der Viola da Gamba Marain Marais ein Album gewidmet mit Stücken in Trio Besetzung für Violine, Gambe und Cembalo.
Les Timbres, das sind Yoko Kawakubo an der Geige, Myriam Rignol an der Gambe und Julien Wolfs am Cembalo.
( Siehe weitere Reviews auf haute-culture-jdg.de zum Ensemble u.a.bislang mit Werken von Rameau und von Telemann.)
Marin Marais war der erste Gambist König Ludwigs XIV und wurde bereits zu Lebzeiten als „Engel der Viole de Gambe“ bezeichnet, da er offensichtlich mit reinem Wohlklang engelsgleich spielte.
Sehr reizvoll ist auf der CD die Zusammenstellung der Piècen, obgleich hier zwei Instrumente kombiniert werden, die gemäß Hubert le Blanc in seiner Schrift „Verteidigung der Viole de Gambe gegenüber den Anmaßungen der Violine“ gar nicht miteinander auftreten sollten.
Aber da auch in Frankreich, insbesondere nach 1700, sich der virtuose italienische Triostil durchsetzte und Einfluss auf den feinen französischen Goût gewann, wurde es möglich die vornehm aristokratische Gambe, die mit zurückhaltendem Timbre wie ein Gesandter sprach im Gegensatz zu marktschreierisch vorlauten kreischenden Geige, so Hubert le Blanc, zu kombinieren.
Die großangelegte Trio-Sonate à la Maresienne ist dafür ein treffliches Beispiel.
In den großen Gesten der langsamen Sätze kommt vor allem der französische Stil zur Geltung und suitenartig ist das Ganze angelegt in sieben Sätzen, formal ist es aber ein italienisches Trio.
Ein schönes Beispiel für barocke Klangmalerei ist der Variations-Satz „Sonnerie de Sainte Geneviève du Mont de Paris“, wobei in einer durchlaufenden Bassfigur und in den Fioreturen der Oberstimmen das Geläut besagter Kirche der heiligen Genoveva eingefangen wird.
Die 15 durch die Tonarten wandelnden Trio-Sätze von „La Gamme en forme de petit Opera“ hingegen zeigen alle Affekte der großen Oper nun auf ein Kammer-Trio beschränkt.
Alle Ausübenden musizieren mit schönster Tongebung und großer Rafinesse insbesondere in Details der Ornamentik. Somit wird dieses Album eine vergnügliche Reise in die Salons des französischen Barock und entpuppt sich als echter Ohrenschmaus.
Jean B. de Grammont

