
Der wahrscheinlich aus dem mährischen Holleschau stammende Komponist Franz Xaver Richter ist heute nur wenigen Connaisseuren geläufig. Er war im 18. Jahrhundert besonders im süddeutschen Raum tätig. Geboren Anfang des Säkulums, verstorben im Jahr der französischen Revolution 1789 prägte Richter die Musik seiner Zeit stilbildend mit. Am bekanntesten ist heute vielleicht noch sein hochvirtuoses Trompeten-Konzert.
Dabei war Richter in vielen Genres unterwegs. Auf den zahlreichen Stationen seines Komponisten-Lebens, zuerst als Kapellmeister des Fürstabtes zu Kempten, dann als Musiker der legendären Mannheimer Hofkapelle unter Carl Theodor von der Pfalz bis zuletzt als Musikdirektor am Straßburger Münster entstanden Sinfonien, eine Serie bedeutender Streichquartette, sowie geistliche Großwerke insbesondere Messen.
Auf einer neuen CD des Labels CPO sind soeben vier seiner zwischen 1750 und 1760 entstandenen Sinfonien eingespielt vom L’Orfeo Barock-Orchester unter Leitung von Michi Gaigg erschienen.
Gerne erinnere ich mich zurück an eine Tagung mitsamt Festival in Kempten anlässlich Franz Xaver Richters 300 Geburtstag anno 2009.
In einem Festsaal der einstigen barocken Residenz des Fürstabts erklangen einige Sinfonien von Richter. In der frühbarocken Stiftskirche geistliche Werke. Besonders eindrucksvoll ist mir der Vortrag eines Referenten in Erinnerung geblieben, nämlich von Pater Angelus Graf Waldstein. Dieser führte nicht nur einen wissenschaftlichen Diskurs, nein er sang sogar Passagen aus Oratorien Richters vor. Offensichtlich bewahrte sich dieser Nachfahre des Feldherren Wallenstein und zugleich bedeutender Musikmäzene, die ja bekanntlich Mozart und Beethoven förderten, eine gewisse Fortune für das Musische. Es war außerdem sehr angenehm mit ihm zu plaudern.
Das L‘Orfeo Barockorchester bricht eine Lanze für diese vier Sinfonien von 1750 bzw. 1760, die alle dreisätzig gehalten sind, teils treten zu den Streichern zwei Oboen und zwei Hörner.
Gleich die erste Sinfonie in g-Moll beginnt mit der expressiven Eröffnung eines Adagio und einer Fuge, die mit chromatischen Gängen und viel Sturm und Drang überrascht und zugleich in religiösem Kontext verankert ist. Das folgende Andante bezaubert mit tändelnden Kantilenen und der Kehraus eines tänzerischen Presto schließt diese beeindruckende frühklassische Sinfonie ab.
Die beiden Dur Sinfonien sind eher heiteren Charakters und im La Confusione betitelten Finale zeigt sich Richter, der auf dem bekannten Porträt-Stich als Kapellmeister im Straßburger Münster eher etwas griesgrämig dreinblickt, sogar von seiner humorvollen Seite.
Während die Sinfonie in d-Moll ebenfalls mit einer kraftvollen Ausdruckskraft überrascht.
Michi Gaigg und ihr Ensemble gehen das mit viel Lust am Musizieren und ausgeprägtem rhythmischem Drive an. Somit gewinnt die Musik des Frühklassikers Franz Xaver Richter hier an Frische und Lebendigkeit und überzeugt.
Jean B, de Grammont

