Champagner

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Vom Essen und Trinken oder dem großen Gelage zu Baden-Baden.

Ohne Frage Baden-Baden ist ein geeigneter Ort für ein Wein und Gourmet-Festival. Der Genius Loci mit seiner traditionsreichen Vergangenheit einer Bäder-Stadt, ist für frohen Genuss wie geschaffen. Es ist das erste Mal, dass auf Hochglanz poliert in schönsten Farben das Magazin "Falstaff" ein Festival solcher Art bewirbt und in Kooperation mit den Baden-Badener Events veranstaltet. Das ist sicher lobenswert und ein Gewinn für die Stadt.
Was kommt aber dabei heraus?
Sind die vor den teilnehmenden Restaurants und Hotels aufgestellten Wein-Kelche aus Kunststoff nun Becher der Freuden oder der Leiden? Mach, dass dieser Kelch an mir vorübergeht, mag sich schlimmstenfalls der Besucher fragen. Etwas unglücklich gewählt ist freilich der Zeitpunkt. Warum muss dieses Festival ausgerechnet zur gleichen Zeit wie das traditionelle Galopprennen in iffezheim stattfinden? Wenigstens gibt es in Baden-Baden Orte an, denen gut darüber schreiben ist. Einen Teil meines Textes verfasste ich auf der Minerva Terrasse des Brenners Parkhotel an einem Sonntagmorgen bei angenehmen Temperaturen völlig alleine dort sitzend und einen Kaffee mit Schokolden- Täfelchen und Honig zu mir nehmend. Hier ist gut reflektieren. Hier ist man Mensch, hier darf mans sein.
Hauptort des Geschehens war das Kongresshaus. Einen Vorteil hat es, die Aussichten von den drei Etagen auf Stadt und Gärten sind höchst reizvoll. Ansonsten sind ausgesuchte Hotels und Restaurants der Stadt als Veranstaltungsorte einbezogen gewesen.
Was sonst reizvoll sein mag, möchte ich höchst subjektiv in den folgenden Zeilen festhalten.
Trank doch schon Fürst Pückler während seiner Baden-Baden Aufenthalte in der Glanz-Zeit des Kurortes, hier gerne Champagner, freilich einmal meinte er schon bei seinem letzten Aufenthalt in Badischen Hof, ein von Johann Friedrich Freiherr von Cotta gegründetes Grand-Hotel (das erste seiner Art in Deutschland), dass selbst Champagner und Austern nicht gegen seinen Katarrh helfen würden.
Im Kongresshaus waren Wein und Champagner Anbieter wie für diverse feine Spezialitäten die Menge vorhanden. Bei fast 250 Anbietern allein an Weinen bleibt einem die Qual der Wahl und noch nicht einmal drei volle Tage würden ausreichen, alles durchzuprobieren. Manchmal ist vielleicht weniger mehr! Aber bei Falstaff scheint man auf die Menge zu setzen, lieber auf bunte Masse statt Klasse, ohne die Klasse zu vergessen.Freilich sind darunter Perlen und mithin beste Anbieter zu finden. Aber vielleicht gibt es ja eine Parallele zwischen der städtischen Event-Managerin und deren Kunstaktionen, die unter dem Motto "Kunst findet statt" eine eher karnevaleske Auffassung des Kunst-Begriffs mit moderner Kunst zu verwechseln vorgeben. Selbst wenn das mit Auszeichnungen versehene Kunstschaffende sein sollten oder nicht. Wenigstens hatten die Kinder gefallen an dem Springbrunnen.
Da es so schön moussiert, beginnen wir mit den Champagner-Häusern, die auf der dritten Etage und im Erdgeschoss des Kongresshaus zusammen mit ausgesuchten Weinen zum Verkosten angeboten wurden. Da ist einmal das Haus de Watere, das im Zeichen des Greifen steht mit einer erfrischenden Raffinesse begeistert. Die Champagner knüpfen an die große Tradition an mit ihrer besonders intensiven feinen und zugleich herben Aromen von großer Frische und Intensität. Das dabei auf umwelt gerechten Anbau gesetzt wird versteht sich von selbst. Klassische Ikonen des Champagners waren ebenso vertreten mit den Häusern Laurent Perrier und Jaquard. Erstes lange von Bernard de Nonancourt vorbildlich geführt, wahrte es
Kontinuität auf höchstem Genuss-Level. Hat das schöne Symbol der Trompete spielenden Reiterin in der Morgenröte und entsprechend elegant subtil und legere ist sein Bouquet. Freilich gab es auch Raritäten wie die Jahrgangs Cuvee 2002 aus dem Hause Veuve Cliquot. Das immer noch belebende Frische mit feinem Geschmack kombiniert. Nicht zu vergessen das Champagner-Haus des Baron Patrick de Ladoucette benannt nach der Comtesse de Lafond, dass mit seiner unvergesslichen Eleganz viele andere übertrumpft. Nicht weniger elegant ist das schöne Porträt der Comtesse von Franz Xaver Winterhalter aus dem 19.Jahrhundert. Allein schon die Flaschen des Hauses de Venoge sind von Raffinesse in ihrer schlanken Form, einer vom Genfer See stammenden Familie, die Epernay im frühen 19 Jahrhundert ein Champagnerhaus begründete. Der Blanc de Blanc der Collection Princes erinnert nicht umsonst aus 100 Prozent Chardonnay an den Glanz der französischen Noblesse. Und die Selektion Louis Quinze an den Glanz der frühen Zeit des Champagners unter dem Bourbonen Herrscher. Eine Klasse für sich ist auch der Champagner von Philipponat, aus einer seit dem 16 Jahrhundert bestehenden Kaufmannsfamilie hervorgegangen.
Freilich wurden auch ausgezeichnete Cremant kredenzt, etwa der Clos Petras aus Savoien, honiggelb im Glas mit Biskuit und Brioche-Duftnoten überzeugend. Was macht mehr Sinn als direkt von den Schaumweinen zum Kaviar überzugehen. Hier gab es Kostproben Oana Kaviar aus Schweizer Produktion mit russischer kraftvoller Note oder feiner kleinteiliger Delikatesse. Nachdem der Champagner in Strömen floss nun zur Speise.
Grundlage für alle Getränke bleibt neben guten Speisen eben doch das Brot. Eine besondere Qualität haben die Backwaren der Bäckerei Jean Kircher aus dem Elsass. Hier schmeckt nicht nur der Gugelhupf, er hat diese hefige Grundnote vereint mit süßen Rosinen und einer Kruste die ihresgleichen sucht, sondern genauso das Baguette oder das Kürbisbrot. Das Geheimnis ist einfach, alles wird nach traditioneller Art produziert ohne die Verwendung von Zusatzstoffen gebacken.
Hinzu kamen vielerlei Präsentationen des Show Cookings der geladenen Stars der Haute Cuisine. Manchmal geschah das eine Spur zu laut und zu aufdringlich, wie es in unserer Zeit nun einmal Gang und Gebe ist. Ob es nun Massimo Battura war, für dessen Teigwaren die Besucher Schlange standen oder Thomas Bühner dessen Rinder-Filets gut ankamen. Eine exotische Variante mit Kaffe-Bohnen und würzigen Essenzen präsentierte der Ghanese Anthony Sarpong. Und das vegane Kost nicht langweilig sein muss, zeigte Stefan Gschwendtner von der Speisemeisterei von Schloss Hohenheim.
An der Loire sind traditionell die besten Weißweine Frankreichs zu finden. Ein Klassiker ist der Baron L von Patrick de la Doucette von seinem Märchenschloss Nozet. Auch die übrigen Pouilly Fumes und der feinherben Chenin blanc seines Hauses sind eine Klasse für sich. Wenn wir in Frankreich bleiben läuft es automatisch auf die Weine des Burgund und aus Bordeaux hinaus. Allein bei May Wines war eine Selektion erlesener Burgunder zu finden. Insbesondere die Burgunder der Domaine Michelle Noellat mit ihren Lagen Nuits-Saints-Georges, Vosnes Romanee und ihrem Pinot Noir verdienen Erwähnung, haben sie doch jene subtile Tiefe, die wir bei den Burgundern so schätzen. Oder der herrliche Chateau de la Tour Clos -Vougeot von den Chevaliers du Tastevin bei Beaune nur empfohlen. Beim traditionsreichen Weinhändler Tesdorpf, der bis ins Lübecker 17. Jahrhundert zurück reicht und der die Tafeln der Zaren und Könige wie der Dichter-Fürsten wie Johann Wolfgang von Goethe und Thomas Mann versorgte sind Burgunder wie Bordeaux-Spitzenweine gleichfalls zu finden. Wir nennen nur wenige. Etwa die wunderbaren Rotweine vom Chateau Figeac mit ihrer überaus reichen komplexen Struktur voller Aromen, die wie reifes Obst und Tanine zusammen klingen. Oder das Weingut Pichon de la Comtesse in der Nachbarschaft von Chateau La Tour gelegen sind dort besonders elegante der gerade zu feminine Rotweine zu finden, die eine eigene musikalische Sprache haben. Ebenso verdient Hervorhebung das Weingut des Grafen Neiperg Chateau Peyrau mit kirschigen Duftnoten.
Neben Frankreich stand Italien mit vielerlei Weinen im Vordergrund, ob aus dem Veneto oder der Toskana. Wir möchten nur die exzellenten Produkte der Häuser der Marquese Antenori und Frescobaldi nennen. Immer Rubinrot von kräftiger Struktur und mit der Lebendigkeit, wie sie nur Weine der Toskana hervorbringen können. Adel verpflichtet eben. Oder wie wäre es mit dem gräflichen Vorzeigewein Siziliens dem Rosso del Conte, fast filigran und elegant und dennoch duftig blumig, der am knisternden Kamin eines Landguts am besten genossen sein möchte. Zuletzt verdient Südtirol Erwähnung. Mit den Weinen von San Leonardo. Ein Gut das Marquese Gonzaga, dessen Flaggschiff eine Cuvee aus Cabernet Sauvignon Carmenere und Merlot in ihrer abgerundeten Finesse völlig überzeugt, eine feine Restsäure mit Vanille-Noten und Waldbeeren betört, der Gesamtklang erinnert an die Musik Claudio Monteverds der einst in Diensten der Gonzaga stand. Dazu passten vorzüglich die Käse und Antipasti von di Genaio. Oder wie wäre es mit einem fein gereiften Comte zu einem honiggelben Sauternes Chateau Chalon aus der Domaine Savagny und für Glück ist gesorgt. Oder schwarzen und weiße Trüffel.
Bei den veranstalteten Essen verschiedener Restaurants waren wir nicht zugegen. Einen besonders schönen Saal aus der Zeit der Jahrhundertwende hat das Maison Messmer zu bieten, hier kochte Maestro Massimo Barruto für wenige Gäste. Allerdings war die Blumendekoration der Tische eher bescheiden ausgefallen. Da ist man im Brenners Meilen voraus, ausgesprochen schönen Blumen-Buketts, die an die Grandeur vergangener Zeiten anknüpfen duften hier und prangen in allen Couleurs.
Verweilen wir zuletzt noch bei ausgesuchten Weinen Österreichs und Badens. Freilich kürzen wir hier sehr ab, um nicht etwa Langeweile bei der geschätzten Leserin, dem geneigten Leser aufkommen zu lassen. Denn auch zu viele Genüsse können verdrießen und das möchten wir vermeiden.
Am Bodensee nach Kloster Salem und bei Bermatingen finden sich die Reben des Markgrafen von Baden, die ausgesprochen charaktervolle Weine hergeben. Besonders der Rote aus Bermatingen hat es uns angetan, gleichfalls fein sind die Reblagen am Hang der Birnau, diesem Rokoko Juwel von großer Heiterkeit. Die Weißweine haben einen zauberhaften Schmelz.
Besonders das Burgenland hat mit dem Weingut Esterhazy einen Namen, der großer Tradition verpflichtet ist. Wenngleich es heute einer Stiftung gehört. Vortrefflich was auf den mineralreichen Böden so gedeiht, ob es der blaue Zweigelt ist oder das große Gewächs und auch die feinen Weißweine sprechen an. Einst regierte das Haus Fürst Nikolaus der Prachtliebende. Er hatte übrigens keinen Geringeren als Joseph Haydn zum Kapellmeister. Auch Haydn trank sehr gerne Wein, es war sicher eine Quelle der Inspiration für ihn. Der Wein ist erschwinglich und die Qualität sorgt für Freude ähnlich wie Haydns Musik.
Schließen wir diesen Rundgang mit kraftvollen Weißweinen aus der Steiermark. Längst ist dieser Geheimtipp allgemein anerkannt. Zum Beispiel vom Weingut Kodolitsch. Wo moderne Kunst und Wein zusammenfinden.
Er duftet angenehm in der Nase und hinterlässt erfrischende mineralische Säurenoten auf der Zunge.
In diesem Sinne hoffen wir auf eine Fortsetzung des Festivals und eine gewisse Verbesserung kleinerer Details. Vielleicht auf ein Neues in Baden-Baden schon im kommenden Jahr. Es iebe der Genuss!
Jean B. de Grammont

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