







Das Bad Hotel zu Überlingen hat zweifellos Tradition und Stil.
Allein schon die Lage zum See und mit Park samt altem Baumbestand machen daraus einen besonderen Ort, der im Zusammenklang von Architektur und Natur fast an eine Schlossanlage oder ein Landhaus in bescheidener Form erinnert.Ein Hotel auf der Höhe der Zeit ist das ohne Frage. Deshalb wurde das Haus kürzlich auch mit dem neuen Preis der goldenen Motte ausgezeichnet. Siehe die Abbildung. Noch ist sich das geheime Kuratorium noch uneinig, ob drei oder fünf Motten, goldene natürlich, die höchste Form der Auszeichnung darstellen. Ich rate daher, die einschlägige Fachpresse zu konsultieren, um a courant zu bleiben. Das Hotel wurde in den letzten Jahren sukzessive renoviert. Der Gast kann drei Gebäude wählen und wählt damit das Haus, was das beste Haus am Platz sein könnte, was es ja zum Teil auch ist. Die Lage am Bodensee und am Rande der Altstadt sind ausgezeichnet. Übrigens sind auch Haustiere, insbesondere Hunde, willkommen.
Das Hotel wird seit Jahren mehr oder weniger vorbildlich geführt.
Das elegante klassizistische Haupt-Gebäude eines Weinbrenner Schülers mit Mansart- Dach und großer Terrasse liegt wunderbar zum Park und Bodensee hin ausgerichtet. In den Suiten und Zimmern zur Seeseite blickt man auf die alten Bäume und das Wasser. Im Frühling duften die Glyzinien an der Fassade. Dann bildet das Badhaus im Stil des Art deco, über einen Bogengang zu erreichen, den Seitenflügel. Zuletzt liegt die prächtige Park-Villa mit Balkons und einem alten Turm der Stadtbefestigung direkt am See. Auch darin gibt es Zimmer, in denen sie fast wie Dornröschen oder Rapunzel übernachten können und vielleicht kommt sogar ein Märchenprinz vorbei. Was aber in unserer Zeit der neureichen Parvenüs jeder Couleur sehr selten geworden ist.
Im Haupthaus verweilten schon im 19. Jahrhundert berühmte Gäste, als die einstige Reichsstadt Überlingen das Kur und Bade-Wesen für sich entdeckte.
Etwa der Dichter Ludwig Uhland und insbesondere das Traumpaar der deutschen romantischen Musik Clara und Robert Schumann. Sogar Johannes Brahms besuchte einmal zusammen mit seiner Freundin Clara Schumann Überlingen Übrigens hat sich in der hiesigen Leopold Sophien Bibliothek ein Album-Blatt von der Hand Robert Schumanns erhalten, das erst vor wenigen Jahren wiedergefunden und eingespielt wurde. (Siehe dazu unser CD Review in der Rubrik Klassik: Schumann Szenen für Klavier) Und später waren hier immerhin Heinrich Mann, Karl May und Theodor W. Adorno zu Gast. Auch der Schreiber dieser Zeilen verweilte hier gerne. Aber da seitens des Geschäftsführers das gute Benehmen bedauerlicherweise zuletzt eingebüßt hat, ziehe ich es zunächst vor dem schönen alten Bonmot zu folgen: Willst Du was gelten, komme selten. Im Untergeschoss der Parkvilla gibt es mittlerweile einen Sauna und Fitnessbereich, der weitere Annehmlichkeiten bereitet. Auch für Beauty und Spa wird im Badhaus gesorgt.
Selbst im Spät-Herbst macht es noch Freude, hier einzukehren.
Wir bezogen beim vorletzten Aufenthalt eines der kleineren seeseitigen Superior-Zimmer in der Mansarde, mit herrlichem Blick auf den Garten, das Wasser und die rauschende alte Platane vor den Fenstern mit bereits schütterem Laub.
Alle Zimmer sind hell und mit Eichenholzdielen wohnlich ausstaffiert, haben moderne, aber gemütliche Möbel, sind mit schönen Stoffen in warmen Naturtönen bezogen. Die übrige Ausstattung entspricht dem gehobenen Standard eines 4 Sterne superior Hauses. Schwarz-Weiß-Fotos mit Motiven des Lebens am See und teils moderne Grafik erfreuen das Auge in den Zimmern und Fluren, meist stammen diese vom Überlinger Fotografen Lauterwasser. Alles ist sehr sauber und gepflegt. Natürlich gibt es daneben zwei geräumige Junior Suiten mit Lesesesseln und Sofas und großen Bädern samt Badewanne im Haupthaus und eine große Suite in der Park Villa samt Sonnenterasse. Wer die großzügige Ambiance einen Gründerzeit-Villa liebt, sollte diese wählen und gleich für längere Zeit bleiben. Keine Sorge, selbst die Suiten sind vergleichsweise relativ erschwinglich für den gebotenen Komfort und bei klarem Wetter hat man Alpenblick inklusive.
Freilich ist es im Frühling und Sommer am schönsten hier, wenn man auf der großen Terrasse verweilen kann.
Bei Café und Kuchen, Eiscafé und Eisbecher oder auch zu einem guten Essen. Reist man an, empfiehlt es sich in der großzügigen Lobby zu verbleiben mit bequemen Sofas, ein Chesterfield-Ledersofa und solche aus Stoff. Eine Büchertapete ziert die Rückwand. Indes sind auf den Regalen erlesene Kunstbücher und anspruchsvolle Werke der Weltliteratur hinzugefügt worden, überwiegend durch den Autor dieser Zeilen, der durch diese Leihgabe auf Zeit versucht das Interesse an Kultur zu fördern, was wahrscheinlich eine vergebliche Bemühung ist, und natürlich um seine eigenen Muße und Arbeits-Stunden hier ein wenig angenehmer zu gestalten.
Freilich werde ich gegebenenfalls einen Teil dieser Leihgaben wieder zurück ziehen, die man bereits teils mit dem Hausstempel versehen hat.Meist kümmert man sich um Ihre Wünsche. Der Service kann freundlich sein, je nach Tagesform. Ich wurde meist freundlich und zuvorkommend bedient und sage an dieser Stelle meinen herzlichen Dank an teils ausgesprochen freundliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Begrüßung an der Rezeption verläuft meist flott, freilich ist das Englisch mit Badischen Akzent versehen, was ja symbadisch sein kann. In Sachen französischer oder gar italienischer Sprache wird es schon schwieriger. Spanisch und Arabisch sind teils immerhin möglich. Dann geht es mit dem Lift in die höheren Etagen oder zu Fuß in die Park-Villa oder das Badhaus.
Im Restaurant Rotunde gibt es abends große Tafel und mittags neuerdings ein Lunch-Büffet. Es gibt auch ordentlichen Kuchen und feinen Kaffee. Das Frühstücksbuffet ist üppig und schön aufgebaut. Es bietet alles für den verwöhnten Gast, samt guten Haus Sekt Blanc de Blanc oder Rosé wie frisches Obst, Lachs wie Meerrettich und anderes wie Aufstrich, Käse, Rührei, Wurst, Oliven, viele verschiedene Brotsorten, Brötchen, Müslis und alles was dazu gehört.
Der Hauschampagner ist Röderer und das ist eine gute Wahl. Es gibt sogar Zigarren in einem kleinen Humidor. Diese habe ich von einem Zigarren Fachhändler vermittelt. Über die Qualität dieser Rauchwaren kann ich nichts sagen, da ich noch keine probiert habe. Im Zweifel bringe man seine eigenen Havanas mit. Leider ist der Genuss erlesener Rauchwaren lediglich auf der Terrasse möglich und wird nicht immer gerne gesehen. Ein allgemeines Übel unserer zwangssterilisieten und zwangsneurotischen Epoche in vielen Bereichen. Aber liebe Gäste schonen Sie die Rauchmelder, sonst wird ihr Aufenthalt unnötig teuer.Voraussichtlich werden sie sich im Bad-Hotel Überlingen wohlfühlen und womöglich wiederkommen. Sollte es ihnen eventuell nicht gefallen, empfehle ich als Fluchtweg den hinteren Ausgang durch den Garten der Villa Seeburg. Hier ist ein diskretes Verlassen des Hotels stilvoll und in aller Form gewahrt. Spätestens dann, wenn sie Heimweh an den Bodensee haben und es sie ausgerechnet nach Überlingen verschlagen sollte, wo es durchaus nett ist oder sein kann.
Jean B. de Grammont


