Wagner, Mendelssohn und Schumann im Festspielhaus Baden-Baden

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Das Rotterdam Philharmonic Orchestra gastierte im Festspielhaus Baden-Baden mit einem stringenten Programm aus Orchesterwerken Richard Wagners, Felix Mendelssohn Bartholdys und Robert Schumanns.

Es dirigierte Yannick Nézet-Séguin, der Chefdirigent der Met Opera New York, ein in Baden-Baden gern gesehener Gast, der insbesondere das Sommer Festival seit mehreren Jahren leitet.

Zu dem ausgezeichneten niederländischen Klangkörper trat als Solist am Steinway hinzu Jan Lisiecki in Mendelssohns erstem Klavierkonzert.

Noch einmal in späteren Jahren, nämlich 1870, griff Richard Wagner auf die Komposition von Orchester Musik zurück mit seinem in Tribschen in einem Herrenhaus in schönster Lage am Vierwaldstätter See komponierten Siegfried Idyll, das der Meister auch als Tribschener Idyll mit Fidi- Vogelgesang und Orange-Sonnenaufgang bezeichnete.

Eine der poetischsten Kompositionen Wagners, die fraglos eine morgendliche Idylle am Bergsee mit Vogelgesang und Sonnenaufgang in weiten melodischen Bögen und duftigen Holzbläser-Akzenten einfängt. Von den Rotterdam Philharmonikern mit schönen weichen Linien und warmem Orchester-Klang wunderbar eingefangen. Dirigent Nézet- Séguin setzte behutsam und präzise Zeichen.

Ganz anders geartet war darauf dann das prächtige romantische Virtuosen-Konzert des 22 jährigen Mendelssohn für Klavier, das der Komponist einer Jugenliebe, der erst 17jährigen Pianistin Delphine von Schauroth widmete.
Aber es steckt die ganze funkelnde Virtuosität des jungen Felix Mendelssohn darin. Alle drei Sätze fließen nahtlos ineinander über.

Das eröffnende Molto allegro con fuoco wurde wahrhaft mit Feuer und Ungestüm dargeboten. Funkelnde Tastenkünste Jan Lisieckis eingerahmt von dem vorwärts stürmenden Orchesterwogen, angefeuert durch den Dirigenten.
Zu einem lyrischen Lied wurde darauf das ruhig dahinschmelzende Andante mit feinsten Piano-Kantilenen. Worauf das Presto-Molto allegro e vivace einen temperamentvollen Kehraus im Wechselspiel zwischen Pianisten und Orchester bot, der das Publikum zu standing ovations hinriss. Als Hommage gab dann Jan Lisiecki an einen der großen Gäste aus dem Reich der Musik in Baden-Baden noch einen Walzer von Johannes Brahms als Zugabe und verzauberte damit.

Zum Beschluss erklang eine der großartigen Sinfonien Robert Schumanns, und zwar die dritte, die sogenannte „Rheinische“, eine Hommage an den Rhein zwischen Köln und Bingen, die Schumann 1850 in Düsseldorf schrieb. Fast eine Programm-Musik, ein großes Tableau in musikalischen Bildern der Flusslandschaft und des Lebens am Rhein ist diese Sinfonie geworden.

Den ersten Satz mit Lebhaft bezeichnet mit dem berühmten aufsteigenden Thema gaben die Rotterdamer Philharmoniker mit markanter Geste. Das springend tänzerische Scherzo voller Lebenslust und Rheinischer Frohnatur.
Den idyllischen Mittelsatz wie ein duftiges Aquarell der Rheinlandschaft von Wiliam Turner mit schillernden Klangfarben, endlich das daran sich anschließende Feierlich mit ernsten Posaunen und Choralmelodien, dass eine Prozession im Kölner Dom abbildet, mit ansprechender Würde. Und das Lebhaft betitelte Finale mit akkuratem Schwung setzte einen wahrlich lebhaft lebendigen Abschluss, so dass es eine Freude war.

Als Zugabe ließen das Rotterdam Philharmonic Orchestra ein Scherzo aus Mendelssohns Sommernachtstraum funkeln und blitzen.
Wie sagte Yannick Nézet-Séguin mit Augenzwinkern, in Baden-Baden ist immer früher Sommer, das passte an diesem prächtigen fast zu heißen Tag wie die Zugabe selbst.
Das Publikum goutierte es mit langem Applaus.

Jean B. de Grammont