Otto Nicolais Klavierwerk

Der aus Königsberg stammende Komponist Otto Nicolai ist heute noch vor allem bekannt für seine Oper Die lustigen Weiber von Windsor.

Nicolai brachte neue Momente in die deutsche Frühromantik, indem er deutsche Tradition mit italienischem Belcanto und einer gewissen Leichtigkeit zu verbinden suchte.

In Wien übrigens gehörte der Komponist mit seiner Gründung des Philharmoniker Vereins zu den Urvätern der Wiener Philharmoniker.
In vielen Genres war Nicolai kompositorisch unterwegs.

Vor allem war der Komponist ein guter Pianist, der mit führenden Kollegen in Verbindung stand und denselben Klavierlehrer hatte wie der junge Mendelssohn.
In Rom war Nicolai Organist an der Preußischen Gesandschaft und pflegte Kontakt zu Franz Liszt. Später stand Nicolai ebenso in Austausch mit Schumann und Rossini.

Ein schmales, aber bemerkenswertes OEuvre für Tasteninstrumente zählt zu seinem musikalischen Vermächtnis.

Bei CPO wurden jetzt sämtliche Klavierstücke Otto Nicolais von Christof Keymer, auf dem modernen Flügel eingespielt.

Darunter viel hübsche bis bemerkenswerte Musik.
Ein eindrucksvoller Trauermarsch auf Vicenzo Bellini, der ein Zitat aus Norma enthält, ist das gewichtigste Stück auf der ersten Scheibe. Das erinnert an Chopins Trauermarsch.

Daneben entzücken ein kurzes einer Gräfin gewidmetes Albumblatt, drei Etüden, ein Rondo capriccioso und insbesondere der zauberhafte Mondwalzer.

Zwei Klaviersonaten, die zum einen im Banne Beethovens und zum anderen Mozarts stehen, bringen zugleich eigene romantische Töne.
Eine kurze Bühnenmusik für das Pianoforte vereint u.a. Haydns Kaiserhymne mit der Marseillaise. Während eine Cavatine und eine Bearbeitung Alessandro Longos einer Melodie aus den lustigen Weibern von Windsor wiederum für Momente instrumentalen Belcantos sorgen.

Christof Keymer spielt klangschön und mit ausdrucksvoller Detailgestaltung.
Das ist eine echte Entdeckungsreise in die Welt der frühromantischen deutschen Klaviermusik.

Jean B. de Grammont