
Einer der zahlreichen talentierten Komponisten der zwei ersten Drittel des 18. Jahrhunderts, die oftmals als Hofkapellmeister ihr Dasein führten, war Joseph Umstatt. Freilich wer kennt diese heute noch? Es wird Zeit auf Entdeckungsreise zu gehen!
Um 1711 in Wien geboren und 1762 in Bamberg gestorben zählt Umstatt bereits zu einer jüngeren Generation österreichischer Komponisten, die ähnlich wie Wagenseil, am stilistischen Wandel ihrer Zeit mitwirkten, nämlich weg vom hochpathetischen Barock hin zum galanten melodischen Stil des Rokoko.
Umstatt lernte wahrscheinlich bei Johann Joseph Fux in Wien Komposition, wurde später im Umfeld des glänzenden sächsischen Hofes in Dresden Kapellmeister beim Premierminister Heinrich Graf Brühl, um in seinem letzten Lebensjahrzehnt als Hofkapellmeister beim Fürstbischof von Bamberg
zu wirken, wobei Joseph Umstatt sowohl Kammermusik und Konzerte wie geistliche Werke schrieb.
Als Hofcompositeur war Umstatt sozusagen die goldene Anstecknadel am Hermelin des Fürstbischofs.
Da ich eine Zeit meines Studiums in Bamberg verbrachte, kenne ich die Orte gut, an welchen Umstatts Musik erklang.
Der herrliche mittelalterliche Dom und dann die prächtige Residenz mit dem großen Kaisersaal mit seinen illusionistischen Deckengemälden am Plafond. Oder der zierliche Rokoko-Pavillon im Garten derselben, welcher sich in der warmen Jahreszeit für divertierende Kammermusik bestens eignete.
Das Ensemble Klingekunst hat nun beim Label CPO, zwei von Umstatts Flötenkonzerten und drei Cembalo-Konzerte in kleiner Besetzung und historisch informiert aufgenommen.
Zwei Violinen, Violoncello und Violone genügen dem begleitenden Streich-Orchester.
Maja Mijatovic am Cembalo verleiht den Solo-Passagen der beiden dreisätzigen und einem viersätzigen Concerto filigrane Eleganz. Es funkelt und glitzert in perlenden Läufen, die geschmeidig und kantabel dahinplätschern.
Die Streicher umranden das mit einer Fassung, die ähnlich wie Rocaille-Stuck sich um die Ornamente des Cembalos schmiegt.
Die beiden Concerti für Flauto Traverso sind viersätzig und weisen noch den spätbarocken vermischten Gusto auf. Das zweite schließt sogar mit einem Menuet mit Trio und erinnert formal an gewisse Concerti Telemanns im vermischten Geschmack.
Sieglinde Größinger spielt die Traversflöte mit rundem Ton und feiner Schattierung und lässt die anmutigen Melodien flockig sprühen.
Lassen sie sich wie einstmals der Fürstbischof von Bamberg oder wie Graf Brühl divertieren und entzücken von dieser charmanten Musik, die auf der CD quicklebendig und überaus geschmackvoll präsentiert wird.
Jean B. de Grammont

