Francesc Valls geistliche Musik des spanischen Barock

Wer kennt sie schon die Musik des spanischen Barock, erst recht die geistliche?

In der Regel ist das Musikleben der barocken Musica Sacra fixiert auf die großen Namen Bach und Händel, neuerdings erhält auch Telemann wieder sein Recht.
Dann gibt es noch ein wenig Rameau, Lully und Couperin. Und natürlich darf Vivaldi nicht fehlen und ebenfalls nicht Purcell, Schütz, Biber und Monteverdi.
Doch Spanisches kommt dabei einfach zu kurz.
Obgleich da ebenfalls großartige Musik zu entdecken ist, wie verschiedene Motetten und Psalmvertonungen von Francesc Valls in spanischer und lateinischer Sprache belegen.

Einen Querschnitt dieser affektvollen Musik aus Spanien ausschließlich von Francesc Valls hat auf seinem neuesten Album das Salzburger Ensemble BachWerkVokal unter Gordon Safari beim
audiophilen Label Darbringhaus und Grimm als Weltpremiere vorgelegt.

Valls wurde wohl um 1671 geboren und starb 1747 in Barcelona. Zuletzt war Valls dort Kapellmeister an der Kathedrale.
Die eingespielten Stücke stammen aus seiner Sammlung Mapa Armonico Practico von 1742.

Zwei kurze Instrumental-Sätze kommen zusätzlich zu Gehör. Da gibt es Enharmonisches und Chromatisches zu entdecken, ungewöhnliche Klänge sind das die Valls Freude am Experiment zeigen.

Ansonsten zieht Valls alle Register der Vokalkunst, ob nun in Solo-Motetten oder im
kleinen Ensemble oder in vollstimmigen Chören begleitet von Streichern, Pauken und Trompeten, im Continuo kommen Laute und Harfe hinzu und bisweilen schnarrt ein Orgelregal kraftvoll grundierend. Diese Musik ist sehr lebhaft und rhythmisch bis glanzvoll.

Teils unterstreicht das der lebendige Einsatz von Perkussionsinstrumenten. Einmal kommt sogar eine Windmaschine zum Einsatz.
Offensichtlich liebte man in Spanien das affektvolle Sakral-Theater.
Zugleich gibt es aber ebenfalls kunstvolle Kanons und Polyphonie in ausgetüftelten Vokal-Linien.

Und zugleich waltet hier und dort eine inbrünstige Melancholie.
Gordon Safari und seine fabelhaftes Ensemble mit geschmeidigen Sängerinnen und Sängern und ebenso virtuosen wie dynamischen Instrumentalisten findet den passenden Tonfall für diese lebendige geistliche Musik aus dem katholischen Spanien und bricht ihr wie insbesondere ihrem Großmeister Francesc Valls eine Lanze. Das ist verdienstvoll und hörenswert zugleich.

Jean B. de Grammont