Te Deum in der Birnau am Bodensee


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Wieder begann vergangenen Sonntag die Reihe festlicher Geistlicher Musik in der Rokoko-Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee mit der Birnauer Kantorei im Jahr des 60 jährigen Jubiläums des Chores und dem Barock-Orchester L‘Arpa Festante unter Leitung von Thomas Gropper zusammen mit namhaften Gesangs-Solisten.
Welch ein passender Rahmen ist das für prachtvolle Barock-Musik, diesmal vor allem führte die Barock-Musik-Reise nach Frankreich und nach England. Zwei Te Deum Vertonungen aus der Feder Marc Antoine Charpentiers und Georg Friedrich Händels erklangen.
Als verbindende Klammer stand dazwischen in ebenso festlicher Klangpracht Johann Sebastian Bachs 4. Orchestersuite in der Fassung mit Trompeten und Pauken.

Charpentiers Te Deum erklingt in Deutschland eher selten im Konzert. Bekannt hingegen ist die Sinfonia, dient sie doch seit Jahrzehnten als Eurovisions-Hymne.
Wohl schrieb Charpentier dies Stück im Auftrag des Versailler Hofs im Jahr 1692 auf den Sieg Ludwigs XIV. über die Niederländer in der Schlacht bei Steinkerke.

In der Tat ein prachtvolles Werk, das einen geradezu in die Hofkapelle von Versailles und an den Hof des Sonnenkönigs versetzte, wo Charpentier durchaus goutiert wurde.
Wenngleich der Ambrosianische Lobgesang hier nicht in der französischen Aussprache des Lateinischen gesungen wurde, wie es eigentlich richtig wäre, aber natürlich für teutonische Ohren und Alt-Lateiner etwas befremdlich, wenn aus dem Text ein „Te Deüm laudamüs“ wird.

Nach der Sinfonia mit schmetternden Barock-Trompeten und rollenden Pauken dann prachtvolle Klangsäulen großer Chöre und Vokal-Solisten-Ensembles im steten Wechsel einer großartig gebauten Architektur die den französischen Grand Motets verpflichtet ist.
Nach dem prunkvollen Eröffnungschor schloss sich alsbald ein Vokalquartett an, mit französischem Holzbläser-Trio aus Oboen und Fagott. Später beim Textabschnitt Dignare, Domine, die isto traten dann auch duftige Traversflöten hinzu. Viele Klangfarben schillern also in der Partitur von Charpentier, Oboen, Fagott, Traversflöten, Trompeten und Pauken, Streicher und Truhenorgel.
Die Solisten Maria Deger und Irene Albrecht Sopran in hellschimmernden Diskantlinien, Regine Jurda mit warmem Alt-Timbre, Christian Rathgeber mit kraftschlankem Tenor und Markus Oberholzer mit wohlig sonorem Bass gestalteten ob solistisch oder im Ensemble ihre Partien ausdrucksvoll und gelungen. Thomas Gropper führte kundig duch die großen Chorbllöcke und feinstimmigen Vokal-Solisten Ensembles als Maitre de Chapelle gewissermaßen, bevor Charpentiers Te Deum voller feierlichen Schwung mit Kraft und Trompetenglanz im hymnischen Chor auf In te, Domine, speravi,non confundar in aeternum überaus festlich ausklang.

Hernach folgte Bachs prachtvolle Orchestersuite mit der rollenden französischen Ouvertüre mit kunstvoll fugierten raschen Mittelteil mit concertohaften Wechseln aus drei Oboen mit Fagott und den Streichern und Trompeten-Einwürfen. Auch die folgenden raschen Tanzsätze erfreuten mit ihrem Schwung und teils feinausgearbeiteten Trios, und waren wie eine Überleitung zum finalen großen Dettinger Te Deum Händels, auf den Sieg der Alliierten Engländer und Österreicher über die Franzosen in der Schlacht bei Dettingen am Main anno 1743.

Nun ging es los mit einer prachtvollen Einleitung mit Trompeten und Pauken, Oboen und flirrenden Streichern,dem sich direkt der erste Chorblock in wuchtigen Klangsäulen nun in englischer Sprache We praise Thee O God mit Piano und Forte Kontrasten in echt Händelscher Opulenz anschloss.
Dieselben Gesangs-Solisten gaben in Ensembles und Solo-Auftritten ihr Bestes. Ein zweiter Teil beginnt mit einer kurzen jubelnden Sinfonia zweier Trompeten. Die wie schon bei Charpentier großbesetzte Birnauer Kantorei wurde in den ausgedehnten Chorsätzen, ob verhalten oder fugiert oder in großen Klangsäulen ihre chorischen Aufgabe gerecht.

Ein echtes barockes Jubelfest, das nach Stille und Glockengeläut mit verdientem Applaus belohnt wurde.

Jean B. de Grammont