Eröffnungskonzert des Bodenseefestivals 2026 Cellissimo


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Das Freiburger Barockorchester gab zusammen mit Artist in Residence Nicolas Altstaedt Violoncello unter Leitung des Ensemble-Mitbegründers Gottfried von der Goltz mittels Zeichensetzung seiner ersten Violine eine fulminante Eröffnung des Bodensee Festivals 2026 im Graf Zeppelin Haus Friedrichshafen Anfang Mai.

Das war ein bunt gemischtes Programm mit exzellenter Orchestermusik aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter dem Titel der Einrahmung zweier Sinfonien „Bohemian Sinfonie“ genannt.

Stand doch eingangs auf dem Programm Leopold Kozeluhs selten gespielte dreisätzige g-Moll Sinfonie, eine der wenigen Moll Sinfonien überhaupt dieser Zeit.

Kozeluh war ein gebürtiger Böhme, der später in Wien musikalisch Erfolg hatte. Und zum Ausklang wurde Wolfgang Amadeus Mozarts berühmte Prager Sinfonie dargeboten, seine letzte Sinfonie vor der Trias der drei großen Wiener Sinfonien im unmittelbaren Umfeld der legendären Uraufführung des Don Giovanni entstanden und ebenfalls in Prag uraufgeführt.

Dazwischen konnte Cellist Nicolas Altsteadt seine hervorragenden Cello Künste demonstrieren im ersten Violoncello-Konzert von Joseph Haydn und in einem der Cello Concerti Luigi Boccherinis.

Der deutsch-französische Cellist erwies sich dabei als ein echter Vulkan am Violoncello hinsichtlich seines Temperaments und Feuers, überzeugte aber gleichfalls mit subtil poetischem Ausdruck.

Wie drahtig und pulsierend das teils im Stehen spielende Freiburger Barockorchester den Ton des Sturm und Drang in dem dahinpreschenden Allegro der Kozeluh Sinfonie traf, verdient Bewunderung.
Neben Streichern ist diese Sinfonie lediglich mit einem Hörnerpaar und zwei Oboen samt Fagott besetzt. Immer wieder setzten die Hörner schmetternde Akzente.
Das Adagio zeigte ein feines Streicher-Kantabile und endlich schloss sich ein rasant dahinpreschendes Finale an.
Das Freiburger Barockorchester erwies dem vergessenen Böhmen alle Ehre.

Mit Kraft und rhythmisch pulsierend dann der Kopfsatz von Joseph Haydns fulminanten erstem Cello Konzert. Das marschartige Thema dahinstampfend, darin die warm sonoren Violoncello Soli Nicolas Altstaedts samt einer fantasievollen Kadenz des Solisten.
Langer Atem dann in der Kantilene des Adagio, die mit Schmelz und Finesse ausgesungen wurde. Endlich gelang das feurige Finale mit seinen hochvirtuosen Cello-Soli mit unvergleichlichem Feuer.
In Luigi Boccherinis wunderbaren Konzerten für Violoncello und Orchester, wobei einige nur mit Streichern besetzt sind, so auch das hier aufgeführte G-Dur Werk, zeigt sich die ganze Kunst des großen toskanischen Cellisten und Komponisten Luigi Boccherini.
Der nach wie vor eher ein Komponist für Kenner ist.
Ein französischer Musikkenner und Zeitgenosse Boccherinis schrieb treffend folgendes Bonmot: Wenn der Liebe Gott den Menschen eine Freude machen will, so wählt er ein Stück von Joseph Haydn, wenn er aber selbst Musik lauscht, so würde er eine Komposition Luigi Boccherinis bevorzugen.
Mit kraftvoller Lebhaftigkeit gelang das Boccherini Konzert vom Allegro an, wobei Cellist Altstaedt virtuoissimo seine Soli in teils hohen Lagen einfließen lassen konnte bis in die Capricen einer fantasievollen Kadenz herein. Traumhaft dann der lyrische Fluss des Adagio mit einer wunderschönen Solo-Melodie des Cellos mit Finesse in den Trillern. Zum Beschluss ein übermütiges Finale mit Tanzcharakter. Boccherini at its best. Der langsame Satz wurde als Zugabe wiederholt.
Ein würdiger Abschluss endlich das Finale mit Mozarts Prager Sinfonie, mit ihrer spannungsvoll gegebenen langsamen Einleitung mit markanten Paukenschlägen und Trompeten-Rufen, man hörte darin insbesondere in der Deutung hier, die Schritte des Komturs aus Don Giovanni. Es gibt da durchaus thematische Bezüge. Mit filigraner Allegresse dann der sich direkt anschließende rasche Satz mit seiner singenden Oboe und duftigen Soli der Holzbläser als Oboen, Flöten und Fagotten. Das langsam dahinziehende Andante mit echt Mozart‘schem Ohrenschmeichlern gelang wie das geradezu als Feuerwerk zelebrierte Finale mit seinen Flötensoli-Tupfern.
Als Zugabe nochmals Kozeluhs erster Satz der g-Moll Sinfonie.
Das war ein gelungener Auftakt zum Bodensee-Festival mit der gewohnt hohen Qualität des Freiburger Barockorchesters und einem bestens disponierten Artist in Residence.

Jean B. de Grammont