


Fotos vom Autor, darunter eine Aquarell-Skizze des Verfassers mit dem Motiv Ravensburger Fachwerkhäuser. Davor der Schriftsteller selbst mit Zigarre von Baur Ravensburg. Copyright der Bilder beim Urheber.











Die ehemalige freie Reichsstadt Ravensburg ist durchaus eine Reise wert.
Im Herzen von Oberschwaben zwischen Bodensee und Allgäu im Schussen-Tal gelegen, bietet die Altstadt eine an Türmen reiche Kulisse mit vielen schmucken historischen Bauten vom Rathaus bis zum Sitz der einstigen Ravensburger Handelskompagnie mit einem hohen Turm, der gerade saniert wird und eingerüstet ist.
Dann gibt es das Neideggsche Haus, genannt das Humpis Haus, der Handelsfamilie der Humpis, die im Spätmittelalter des ausgehenden 15. Jahrhunderts fast so bedeutend waren wie die Fugger im 16. Jahrhundert zu Augsburg.
Seit dem Jahre 2009 findet sich in dem aufwändig sanierten Gebäude aus dem Jahr 1470 ein Museum, mit wechselnden Ausstellungen.
Dann lohnt der Besuch im Museums-Neubau der Sammlung Selenka mit Kunst der klassischen Moderne.
Es ist allemal interessant, einen Samstag in Ravensburg zu verbringen. Dann ist mitten in der Altstadt in den Gassen nahe der Markthalle aus dem 16. Jahrhundert ein großer Wochenmarkt und es pulsiert das Leben.
Ich besuchte gerade erst das schmucke Ravensburg. An einem heiteren Spätsommer-Tag.
Egal wie Sie Ravensburg ansteuern, meist kommen Sie zu Fuß in die Altstadt durch eines der noch erhaltenen Stadttore, etwa dem Obertor, oder dem Spitaltor. Freilich ist der Bering nicht mehr vollständig erhalten, so gibt es genug Zufahrten und Zugänge an den Toren vorbei.
Kaum aber ist man im inneren Bereich der Altstadt angelangt, so gibt es elne Menge malerischer Häuser vom Mittelalter über Barock bis in die Gründerzeit.
Bemerkenswert ist das Konzerthaus aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, ein prachtvoller Bau im klassizistischen Stil von denselben Architekten wie die berühmte Tonhalle in Zürich. (Siehe Foto)
Heute gibt es da leider selten Aufführungen.
Ich erlebte sogar mal den Stargeiger Daniel Hope dort zusammen mit dem Concerto Köln und einen reinen Mendelssohn Programm. Aber das ist lange her, es war im Rahmen des Bodensee Festivals 2009 und unvergessen. Damals berichtete ich für Concerto darüber, das Magazin für Alte Musik.
Die Häuser in der Altstadt weisen teils Fassaden-Malerei aus Barock und Renaissance auf.
Darunter stechen architektonisch hervor, das ehemalige Spital- und ein großes Kornhaus, in dem die Stadtbibliothek untergebracht ist. (Diese wird gerade saniert)
Im Gewimmel der Gassen ist manch nettes Café zu entdecken. Am besten wohl das Café Henger, das ausgerechnet bei unserem Besuch verdiente Betriebsferien hatte. Eventuell schreibe ich mal einen Extra Beitrag über diese feine Adresse unter den Patisserien, die ich sonst bei jedem Besuch in Ravensburg aufsuche.
Zum Glück gibt es ein paar neuere Cafés, worunter eines Manufaktur Qualität hat mit handgerollten Butter-Croissants und anderen Leckereien. Die Croissants sind wirklich fein.
Später begab ich mich in die Café-Rösterei mit ebenfalls guten kleinen Gebäcken und vorzüglichem Café und aquarellierte von einem Tiscb aus eine Partie mittelalterlicher Fachwerkhäuser. (Siehe das Foto) Rauchte dazu mit Genuss eine Churchill Zigarre der Hausmarke des Ravensburger Tabakhändlers Baur mit feinen Röst-Aromen und zu einem wohlfeilen Preis.
Vorher speiste ich im Restaurant des Humpis-Hauses leckere Spaghetti mit Gambas und Spinat an Tomaten-Sauce und Pepperoni und trank einen feinen Bordeaux Blanc. Allerdings ärgerte ich mich über das teuer berechnete Leitungswasser von 3 Euro, ohne darauf hingewiesen worden zu sein. Trotz netten Ambientes und gutem erschwinglichen Essen gibt das leider einen Abzug.
Wer es gehoben mag und entsprechend liquide ist, besuche Abends etwa das Restaurant im Hotel Kaiserhof, Kaisersaal geheißen. Ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern und wirklich vorzüglicher Küche. Im Sommer 2025 war ich dort dank der Generosität eines wohlhabenden und kultivierten Freundes zu Gast mit einem mehrgängigen Menü mitsamt holder Weiblichkeit als Begleitung.
(Siehe Fotos vom Restaurant und teils der Weine und Speisen)
Hoch über der im Tal gelegenen Stadt liegen die Waldberge mit Resten der Stammburg des Geschlechts der Welfen, die mit Heinrich dem Löwen zu Braunschweig im Streit lagen und um die Vorherrschaft um das heilige römische Reich deutscher Nation im 12 Jahrhundert zankten.
Darauf ging die Ravensburg, in deren Schatten und Schutz sich die Stadt entwickelte direkt an den Hohenstaufen Friedrich Barbarossa über, dessen Familie dann erst einmal die Geschicke des Reichs lenkte, bis nach dem großen Friedrich II., der von Sizilien aus regierte und dem Orient zugetan war. Legendär ist bis heute sein Castel del Monte in Apulien. Später zog ebenso der letzte Staufer Konradin II. hier vorbei auf seinem unglücklichen Weg nach Italien.
Auf dem ehemaligen Burggelände erhebt sich ein hoher schlanker Turm des späten Mittelalters, der sogenannte Mehlsack, heute das Wahrzeichen Ravensburgs. (Siehe Foto)
Früher stand hier die Michaelskapelle der Burg.
Geht man weiter den Berg hoch, kommt der sogenannte Philosophen Weg, wie in Heidelberg, zwischen Weinbergen und Grünflächen und alten Bäumen wilden Gärten und Gartenhäusern ist ferner ein historischer Torkel (eine Weinpresse
aus Holz) aus dem 18. Jahrhundert zu bewundern ganz bedacht. Auch in unseren Tagen wird hier noch in kleiner Menge ein Wein angebaut, wie er schmeckt weiß ich noch nicht; derselbe wird vom der städtischen Spital- Stiftung aus angeboten. Wunderschön ist die Aussicht ins Tal von hier aus und insbesondere auf die Türme Kirchen und Dächer der Altstadt. (Siehe Titel-Bild).
Einer der bedeutendsten Gäste auf seiner Reise nach Italien in Ravensburg im 16. Jahrhundert war der französische Edelmann und Philosoph Michel Eyquem de Montaigne aus Bordeaux.
Wohl hätte dieser die Buchhandlungen, die es auch heute noch gibt, gerne aufgesucht.
Bis vor gut 8-10 Jahren gab es auch noch einige sehenswerte Antiquariate in Ravensburg aber in unseren aktuellen immer geistloser werdenden Zeiten, scheint das Bedürfnis nach alten Büchern nicht mehr so hoch. Und die Ladenmieten steigen auch hier.
Immerhin kann man im Geschäft der Museumsgesellschaft an wenigen Werktagen findig werden, dort gibt es Kunst und Trödel und auch ein paar Bücher und andere Feinheiten mehr zum kleinen Preis. Die Schaufenster einer sehr hochwertigen Antiquitätenhandlung gibt es noch, aber anscheinend hat der Betreiber die offizielle Laden Funktion inzwischen leider aufgegeben.
Also ändern sich die Zeiten, aber der Reiz des alten Ravensburg bleibt bestehen und lohnt den Besuch, also bummeln Sie und entdecken Sie!
Jean B. de Grammont
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