Rossinis Barbiere di Sivigla am See

Fotos der Aufführung sind vom Autor gemacht. Copyright bei diesem und Inhaltlich bei den Produzenten.
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Seit 15 Jahren gibt es die ambitionierte Oper am See, das ist ein Verein, der klein begonnen und Großes erreicht hat.

Jedes Jahr im Spätsommer wird eine umfangreiche Bühnenproduktion vorgestellt. Schauplatz ist der große Saal der Waldorfschule in Überlingen, der zu diesem Zweck angemietet wird.
Dieser Saal bietet, da aus Holz konstruiert und wie ein Amphitheater angelegt eine durchaus gute Akustik und viele Plätze.

Heuer im August 2026 stand Rossinis Meisterwerk der Barbiere di Siviglia auf dem Programm.
Mit gerade erst 23 Jahren schrieb Rossini diese unvergängliche Oper.

Zwar fehlten in der Aufführung hier im Orchester die hohen Streicher aus budgetären Gründen. Diese wurden durch ein Arrangement für Klavier ersetzt. Kontrabass und Violoncello waren dabei. Ansonsten war das Orchester aber mit allen Bläser-Farben, ob Posauen oder Flöten und Oboen, bestückt und sorgte bis hin zum großen Schlagwerk-Apparat für zündende Momente.

Dieses Fehlen der Violinen und Bratschen war fast der einzige Abstrich der Aufführung, aber man gewöhnte sich schnell daran und die sängerischen Leistungen wie die aufwändige und affektvolle Inszenierung ließen kleinere Mängel vergessen. Es macht dem Verein Oper am See alle Ehre!
Freilich Puristen dürfte auch nicht gefallen haben, das statt gesungener Rezitative in italienischer Sprache die Dialoge lediglich gesprochen wurden und zwar auf Deutsch, dies ist und war allerdings durchaus für das Verständnis der Handlung von Vorteil.
Sozusagen eine Verbeugung vor dem regionalen Publikum, da nun die Secco Rezitative als Dialoge in bester Singspiel-Tradition gegeben wurden. Arien und Ensembles wurden im italienischen Original gesungen.

Die umfangreiche Inszenierung der Regisseurin Emma Brögelhoff tat ein Übriges, diesen Barbiere zu einer runden Sache zu gestalten.
Vom Kostüm her durchaus zeitgemäß waren die dramatis personae gekleidet, zudem glich die Bühne einer große Baustelle mit dem Balkon des Hauses des Don Bartolo und Gerüsten links und rechts.
Auf dieser Bühne agierte man beweglich; zunächst Figaro in einem brombeerfarbenen Anzug, der hier seine treffliche Factotum Arie sang und seine Kunst des Friesierens und Barbierens demonstrierte. Auch das Ständchen Almavivas mit begleitender akustisch verstärkter Gitarre und mit Chor-Aufgebot entfaltete Wirkung.
Das Bühnenbild wurde besonders mit Effekten geladen in der Sturm und Gewitterszene des dritten Akts und eine ausgetüftelte Beleuchtung sorgte für passende Affekte.
Und ab und an wanderten die Akteure durchs Publikum und am Ende gar wurde der Orchestergraben via Hebebühne nach oben gefahren und fast alle verließen die Bühne coram publico und nur Don Bartolo alleine blieb auf der Bühne. Das war ein gelungenes Finale.
Nicht allein das Bühnen-Geschehen überzeugte, sondern gleichfalls das von der Ouvertüre an kraftvoll begleitende und aufspielende Orchester unter Leitung von Viktor Andreas, der die Sänger Darsteller und Darstellerinnen zu guten Soli anfeuerte.
Das Ensemble aus meist jungen Nachwuchs-Sängerinnen und Sängern war durchaus seinen schwierigen Partien gewachsen und zeigte sich von bester Seite.
Allen voran die Mezzosopranistin Kim Holtappels, welche die Partie der Rosina mit trefflichen Koloraturen-Spitzen und ganz cantabile gab, ihr zur Seite stand der junge schlanke Tenor Falk Fink als Conte d‘Almaviva.
Als Figaro überzeugte durchweg Vincent Bülow mit schwarzem und seinen hohen Anforderungen gewachsenen Bass.
Maximilian Schwarzacher gab den besonnenen Bartolo überzeugend. Simon Weinert spielte mit Humor und Witz und gelenkigem Bass die Partie des Basilio. Während in den Nebenrollen Helena Müller Sopran als Berta und Jonathan Schlittenhart als Fiorello walteten.
Viele Höhepunkte ergaben sich so. Etwa die Musikstunden Szene, in welcher Rossini alle Register vergangener Musikstile zieht.

Auch der Chor war durchaus gestisch, technisch wie stimmlich seinen Partien gewachsen.

Insgesamt war es eine sehr abwechslungsreiche Opernpräsentation, die diese gut dreistündige Aufführung mit Pause niemals langweilig erschienen ließ und ein wahres Feuerwerk mit Rossinis, Witz, Grandezza und Lebensfreude abbrannte. Viel Situationskomik lag in den teils überzeichneten Gesten und es wäre auf viele Details hinzuweisen.

Bis zum lieto fine endlich dieses brillanten Bühnenwerkes war das ein vergnüglicher gelungener Opern- Abend, der insgesamt beinahe auf Fest-Spiel-Niveau kam.

Ich wünsche der Oper am See weiterhin gutes Gelingen.

Jean B. de Grammont

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