
Mit der Vorstellung der neuen CD mit Kammerduetten Barbara Strozzis möchte ich gleichsam eine Serie an Komponistinnen-Porträts beginnen. Denn schließlich gab und gibt es sie ja glücklicherweise die Komponistinnen.
Wenngleich diese bis heute eher selten in allgemeinen Konzertprogrammen auftauchen.
Auch wenn die weiblichen Kolleginnen der Komponisten es in der Vergangenheit oft schwer hatten, aus verschiedenen gesellschaftlichen wie historisch bedingten Gründen. Es sei ein kleiner Exkurs an dieser Stelle eingefügt.
Oft war es vom Mittelalter bis in das Barockzeitalter hinein nur möglich in klösterlichen Refugien als Frau zu komponieren. Aus dem hohen Mittelalter ragt dabei die Äbtissin Hildegard von Bingen hervor. Im italienischen Barock sei etwa die Ursulinerin Nonne Isabella Leonarda genannt. In Frankreich wurde von König Ludwig XIV. höchstselbst Elisabeth Jaquet de la Guerre gefördert, wohlgemerkt als nicht klösterlich gebundene in der Welt wirkende Komponistin.
Diesen zur Seite steht als neben der gerade genannten Französin erste „weltliche“, Komponistin der Musikgeschichte eben die in Venedig lebende Barbara Strozzi.
Die Familie Strozzi ihres Vaters, deren uneheliche Tochter sie war, stammte aus Florenz und zählte daselbst zu den führenden Familien neben den Medici. Giulio Strozzi war zudem Librettist und dichtete viele der Madrigale zu Vertonungen seiner Tochter.
Barbara Strozzi war mit einem venezianischen Nobile liiert und hatte mit diesem vier Kinder und lebte allerdings in eigenem Haushalt.
Das vermutliche Porträt der Künstlerin stammt übrigens ebenfalls von einem Mitglied der Familie Strozzi, und zwar von Bernardo Strozzi, dass eine recht freizügig in Erscheinung tretende Gambenspielerin mit rotblonden Locken und einem hübschen, aber fast leicht derben Gesicht zeigt.
(Zu finden in der Gemäldegalerie des Zwingers in Dresden).
Die Komponistin erhielt Unterricht von exzellenten Komponisten wie von Francesco Cavalli und von Antonio Cesti, zudem eine Gesangsausbildung, was die besondere Vertrautheit mit der Singstimme in ihren Kompositionen erklärt.
Zwei der renommiertesten Soprane der aktuellen Barock-Szene, nämlich Dorothee Mields und Hana Blaziková haben zusammen mit dem Hathor Consort, das von der Gambistin Romina Lischka geleitet wird, ein kleines Porträt in fünf Akten von Barbara Strozzi beim Label CPO vorgelegt, dass es in sich hat, wohlgemerkt mit dem erwähnten Porträt auf dem Cover.
Musikfans lernen hier eine venezianische Komponistin des 17. Jahrhunderts kennen, die durchaus ihren genannten Lehrmeistern das Wasser reichen kann.
Das Hathor Consort accompagniert auf Nickelharpa, Salterio, Erzlaute, Lirone, Harfe und Orgel und nicht zuletzt Diskant- und Bassgambe.
Ein differenzierter und satter Klang im Continuo und in den Begleit-Stimmen unterstreicht die beiden Solistinnen ausgezeichnet.
Einige Madrigale werden von Romina Lischka rein instrumental genommen mit feinem Timbre der konzertierenden Gambe.
Verschiedene Facetten der Weiblichkeit und des Frauenlebens im Venedig des Seicento werden dabei berührt. Von der inspirierten Künstlerin zur erotisch Liebenden bis zum gesellschaftlichen Korsett, weiter zur liebenden Mutter bis zur beschützten Tochter reicht das Themenspektrum der vertonten Texte dieser Kammerduette und Solo-Madrigale. Wie Hana Blaziková und Dorothee Mields nun diese bisweilen offenherzigen Dichtungen und kühn komponierten Melodien in schönsten geradezu betörenden Sopran-Linien gleich zwei „Sirenen“ singen, grundiert teils von expressiven Lamento-Bässen mit Truhenorgel und Erzlaute etc. auskosten und zelebrieren hat eine ausgesprochen sinnliche Note. Die baci, die Küsse, gehen in die Ohren und berühren das Herz.
Es lohnt unbedingt diese CD kennenzulernen.
Jean B. de Grammont

