Orchestersuiten von Johann Sebastian Bach

Neben den Brandenburgischen Konzerten sind wohl Bachs vier Orchestersuiten seine bekanntesten Instrumentalwerke für größere Besetzung.
Vielleicht sind diese Bach-Stücke neben Vivaldis vier Jahreszeiten und dem Finale von Beethovens 9ter die bekanntesten Werke der sogenannten klassischen Musik überhaupt?

Oft eingespielt und in Konzerten immer wieder zu hören, ist man diesen Stücken mitnichten überdrüssig, zumal es einfach echte Meisterwerke sind.
Schade eigentlich, dass uns Johann Sebastian Bach nicht mehr Ouvertürensuiten geschenkt hat. Von Telemann gibt es wesentlich mehr und qualitativ stehen diese denjenigen Bachs keineswegs nach, nur leider erreichen viele der Orchestersuiten Telemanns bislang nicht eine breitere Rezeption und es gibt vergleichsweise wenig Einspielungen davon.

Insofern wundert es zunächst, dass ein Label wie CPO, das gerne eher Repertoire-Nischen auslotet, sich den Ouvertürensuiten Bachs annimmt.

Aber natürlich wird hier nicht irgend eine beliebige zusätzliche Variante der Suiten aufgelegt, sondern es ist eine frühe erste Fassung Bachs, noch ohne Trompeten und Pauken, welche sonst zweien der Suiten erst ihren Glanz verleiht.

Zudem tritt das Concerto Copenhagen unter Leitung Ihres Cembalisten hier in der Minimalbesetzung an mit nur zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass. Hinzu treten zwei bzw. drei Oboen plus Fagott und einmal die Flûte traversière.
Doch diese kammermusikalische Formation genügt vollkommen, um höfischen Glanz und Tanzfreude einzufangen. In der Dur Suite mit der berühmten Air wird daraus dann ein Kabinett-Stück feinziselierter barocker Kammermusik gerade in den melodischen weiten Bögen dieses lyrischen Satzes. In der französischen Ouvertüre selbst und in den Tänzen wird beschwingt mit flotten Tempi musiziert.
Klangschön fügt sich das französische Rohrblatt-Trio zu den barock besaiteten Streichern und dem Cembalo in der ersten Suite. Noch eine Spur kraftvoller erscheint das dann in der vierten Suite mit gleich drei Oboen zum Fagott, was an entsprechende Telemann Werke erinnert.

Entsprechend feingliedrig fügt sich die Traversflöte Katy Birchers in die h-Moll Suite ein. Flockig und rund gelingen die Flöten-Soli, bis dann endlich sehr quirlig und lebendig die bekannte Final- Badinerie wie eine hübsche Schäferin des Rokoko behende tänzelt und zeigt wie flott und galant eben selbst, der als gelehrt abgestempelte, Bach komponieren konnte, wenn er wollte.
Wer es gerne kammermusikalisch mag und historisch informiert zugleich, wird in der vorgelegten Deutung mit Lars Ulrik Mortensen und dem Concerto Copenhagen eine ansprechende Version dieser berühmten Barock-Suiten finden.

Jean B. de Grammont