
Telemann hegte bekanntlich schon früh eine besondere Vorliebe für den goût francais in der Musik.
Ein neues Album des Labels Querstand widmet sich ganz der Kammermusik Telemanns im französischen Licht.
(Siehe auf haute-culture-jdg.de ebenfalls einen umfassenden Beitrag zu Telemanns Pariser Quartetten. Ein Review an Einspielungen).
Auf der neuen CD finden sich vor allem frühe Flötensonaten Telemanns aus einem handschriftlichen Brüsseler-Konvolut mit Werken verschiedener Komponisten, das wohl einst König Friedrich ll. von Preußen gehörte, der selbst ausgezeichnet Flöte spielte und komponierte.
Womöglich sind diese Stücke die ersten Sonaten Telemanns für Traversflöte überhaupt, entstanden eventuell in dessen Zeit in Eisenach zwischen 1708 und 1712.
Die Flötistin Marion Treupel-Franck nimmt sich zusammen mit Viktor Töpelmann Gambe und Ilhae Eizinger-Kim Cembalo dieser Preziosen erstmals in einer Weltersteinspielung der vier Brüsseler Sonaten an. Hinzu gesellen sich einige der Cembalo-Fantasien im französischen Stil aus dem zweiten Dutzend dieser Sammlung an Clavecin-Musik Telemanns aus den 1730iger Jahren, hier teils in einem Arrangement mit Traversflöte gegeben, zudem schließen sich á la francaise eine Sonate aus dem Getreuen Musikmeister und ein paar der Menuette aus Telemanns Menuettsammlung „Sept fois sept et un Menuet“ an.
Zwei Flötensonaten folgen dem viersätzigen Schema der Sonata da chiesa, eine mit französischen Tempo-Bezeichnungen, hingegen die zweite mit italienischen, die anderen beiden sind mit 5 bzw. 6 Sätzen dann am Formschema der Suite orientiert.
Marion Treupel-Franck spielt diese Kleinode früher Kammermusik für Traversière mit feinem Timbre und voller Ausdruck und mit facettenreichen Klangfarben. Die Eleganz der frühen Suiten und Flötensonaten Telemanns kommt hier voll zum tragen.
Die Begleitung von Viktor Töpelmann auf der Gambe und Ilhae Eizinger-Kim auf dem Cembalo lässt keine Wünsche offen.
Es ist eine Klangreise mit Charme zurück in die Salon-Sphäre des französischen Barock.
Die noble tänzerische Anmut der Menuette besticht und bewundernswert ist insbesondere die Fähigkeit Telemanns so idiomatisch die Flute Traversière mit all ihrem Klangzauber und ihrer Sanglichkeit auszuloten.
Jean B. de Grammont

