Kein Geringerer wie Igor Strawinski schätzte seinen barocken Komponisten-Kollegen Antonio Vivaldi nicht sonderlich, so sagte Strawinski: Vivaldi ein langweiliger Mann, der ein paar hundert mal das gleiche Konzert komponiert hat.
Dieses süffisante Bon-Mot ist längst widerlegt. Und hätte Strawinski bereits die historische Interpretationsweise gekannt und sich wirklich eingehend mit Vivaldis Concerti beschäftigt, wäre er wohl voller Bewunderung gewesen!
Zwar gibt es gewisse Stereotypen bei Vivaldi. Schnell ist der typische Vivaldi- Stil erkennbar. Nicht umsonst sind seine Quattro Stagioni Concerti so beliebt und berühmt.
Sie stammen aus einer Sammlung, die im Notenstich erschien, nämlich Opus 8.
Berühmt war vor allem Vivaldis Opus 3, der L‘estro armonico. Stilbildend waren diese Concerti für ein bis zwei und sogar vier Solo-Violinen für das italienische Barock-Konzert und diese wurden von J.S.Bach teils für Tasteninstrumente bearbeitet und waren Muster und Inspirations-Quelle für Bach und Telemann für den italienischen Stil.
Das neben den großen Sammlungen Vivaldis, die im Notenstich erschienen, weitere brillante Konzerte überliefert sind, belegen die fünf Concerti dieser beim Label CPO veröffentlichten CD.
Der Geiger Johann Georg Pisendel, bekannt als Violinist, Komponist und Konzertmeister der Dresdener Hofkapelle, war Widmungsträger. Telemann und Bach widmeten Pisendel Kompositionen. Von Telemann gibt es ein Concerto Grosso per il Signore Pisendel und zwei großbesetzte Suitenkonzerte, die dem vortrefflichen Geiger auf den Leib geschrieben wurden und wunderbare Musik sind. Johann Sebastian Bach hatte wohl Pisendel im Sinn, als er seine wundervollen Sonaten und Partiten für Violine allein komponierte.
Auf einer Reise des Dresdener Hofes nach Venedig 1717 durften natürlich ausgesuchte Musiker der Hofkapelle nicht fehlen. Pisendel war dabei und bei einem Konzert zu Ehren des sächsischen Kurfürsten von Vivaldi und seinem Frauenorchester des Ospedale della pieta lernten Vivaldi und Pisendel einander kennen. Die Folge war ein einjähriger Studienaufenthalt Pisendels in Venedig, um seine Violintechnik bei Vivaldi zu vervollkommnen. Im Reisegepäck nach Dresden führte Pisendel dann fünf Concerti mit, die ihm Vivaldi als Souvenir und praktisch auf Pisendels Kunstfertigkeit zugeschnitten komponiert hatte.
Beim Geiger Federico Guilgliemo und seinem in kammermusikalischer Besetzung aufspielenden Ensemble L‘Arte dell‘Arco mit einem durch Laute verstärkten Basso Continuo mit wechselweise Cembalo und Truhenorgel sind diese Concerti in besten Händen. Die kapriziösen Violin-Soli glitzern und funkeln und bringen hinreißende Virtuosität mit Bariolage Bogen-Technik und rasanten Läufen in den schnellen Sätzen. Das Ensemble spielt zupackend und mit rhythmischer Verve. Die langsamen Sätze bringen poetische Ruhepunkte, hier kann die Geige singen und mit schmelzendem Ton verzaubern. Für Freunde barocker Violinkonzerte gespielt auf Originalinstrumenten ein Muss.
Jean B. de Grammont
