Die Lichtentaler Allee zu Baden-Baden


  

Copyright der Fotos beim Autor, ebenfalls bei den Aquarell-Skizzen aus dem Baden-Badener Tage- und Notiz-Büchern des Verfassers, die teils die Gönner Anlage, Baden-Baden vom Kurhaus gesehen und die Turgeniev Büste u.a.m. zeigen. Siehe ganz unten nach dem Textende des Beitrags.


Lustwandeln auf der Lichtentaler Allee soll das Motto dieses Beitrags in der Reihe Parks und Gärten lauten verbunden mit historischen Betrachtungen.

Eine berühmte Promeniermeile, die bereits in einer Baumallee aus der Barockzeit ihren Ursprung hat, aber vor allem vor Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde, im Stil eines großen englischen Landschaftsparkes, ist die Lichtentaler Allee im einstigen Weltbad Baden-Baden.

Die große Ära dieses Kurorts ist leider vorbei, wohl endgültig! Die kulturelle Höhe des 19. Jahrhunderts wird hier wohl kaum mehr erreicht werden.
Trotz vielfältiger  Bemühungen einiger Institutionen vor Ort.
Aber wenigstens Allee und Bäume werden nach wie vor vom Gartenamt der Stadt liebevoll gepflegt und erinnern an die große Vergangenheit Baden-Badens.
Im 19. Jahrhundert konnte man beim Flanieren an der Lichtentaler Allee berühmten Persönlichkeiten begegnen.
Damals wurde Baden-Baden Sommerhauptstadt Europas genannt.
Von Königen, Zaren, Kaisern und Markgrafen wie Fürsten, Grafen und selbst Hofschranzen des internationalen Adels wurde der Badeort oft aufgesucht, darunter Fürst Bismarck und der als Gartengestalter und Schriftsteller berühmte Fürst Pückler, ein Bonvivant und eleganter Dandy zudem, bis hin zu  Künstlern, darunter solche Größen wie dem Komponisten Johannes Brahms oder der Pianistin und Komponistin Clara Schumann, oder dem Porträt-Maler der High Society Franz Xaver Winterhalter; sie alle waren hier anzutreffen, wenn sie gerade ausritten, fuhren oder einfach nur spazieren gingen. So wie es eben unbürgerliche Leute pflegen, die mit dem teutonischen Spießertum nichts am Hut haben möchten.
Selbst Komponisten wie Hector Berlioz, Franz Liszt oder dem Walzerkönig Johann Strauß konnte man auf der Lichtentaler Allee begegnen.

Wie auch den Meisterkomponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und Carl Maria von Weber zu etwas früherer Zeit, als der englische Garten noch nicht wirklich vorhanden war.
Dichter wie Nikolaus Lenau fanden im Schatten der Bäume Inspiration und vor allem die großen Schriftsteller Russlands von Turgeniev über Tolstoi bis hin zu Dostojewski lustwandelten hier.
Und Maler wie Gustave Courbet zeichneten und aquarellierten schöne Bäume und andere Motive der Stadt und Umgebung.
Manche wie etwa Fürst Menschikow zogen mit ihrer von edlen Pferden gezogenen Troika vorbei.
Und alle eleganten Damen und Herren promenierten hier, allein schon um dazu zu gehören zu dieser Haute-Volée. Es war einfach chic und en vogue!

Diese berühmte Baumallee längs der Oos mit weiten Wiesenflächen und Baumgruppen beginnt etwa beim prächtigen französischen Theater des 19. Jahrhunderts nahe des Kurhauses und der Trinkhalle.
Wenn man möchte, können die dortigen Kastanien-Alleen an den Boutiquen der Kolonaden noch hinzu gerechnet werden.

Die Allee führt dann bis zum Klosterplatz bei der Zisterzienserinnen Abtei Lichtental.

Auch heute kann es vorkommen, das prominente Industrielle oder Künstler und Präsidenten wie Schauspieler und Musiker hier gelegentlich flanieren. So begegnete mir oft Johannes Adrianus Hohmann, ein Niederländischer Tycoon und Schwiegersohn des DAF Gründers Hub van Doorne.  Ein sehr sympathischer Gentleman alter Schule war Jan Hohmann und zudem ein Kenner der Lippizaner Pferde und Ehrenpräsident der Wiener Hofreitschule, der immer zu guter Konversation aufgelegt war. Auch den Cellisten und Dirgenten Roderic von Bennigsen traf ich oft auf der Allee und anderswo. Eine schillernde nicht ganz unkomplizierte Künstler-Persönlichkeit mit ausgeprägtem Stilbewusstsein. Die Gespräche waren meist heiter und geistvoll.

Bald wird möglicherweise ein gewesener Bundeskanzler hier promenieren oder joggen, der lieber nicht mehr erkannt werden möchte und schnell mit seinem Privatjet die Flucht ergreift.
Übrigens war Konrad Adenauer gerne in Baden-Baden, um an einen Vorgänger mit Format zu erinnern.
Einem Doppelgänger von „Putins Koch“ Prigoschin begegnete ich ebenfalls nach dessem offiziellen Ableben hier. Derselbe hatte offensichtlich eine neue Heimat gefunden.

Präsident Charles de Gaulle flüchtete während der Unruhen 1968 nach Baden-Baden ins Brenners Park-Hotel, bevor er nach Frankreich zurück kehrte.

Es war nicht notwendig gewesen, die vor Ort stationierten französischen Truppen zu mobilisieren, um  wohlverdiente Ordnung in der  République Française wieder herzustellen. Fortuna sei Dank und das Land der Raison d’état hatte wieder Form gewonnen..

Kanzler Adenauer logierte allerdings im Grand-Hotel Bühler-Höhe, was seit längerem nicht mehr als Hotel geführt wird. Doch zurück zur Lichtentaler Allee.
Meist sind es andere neureiche Parvenüs, die ihre dicken Luxusklasse Fahrzeuge auf den befahrbaren Abschnitten der Allee zeigen wollen. Damit auch jeder weiß und sieht was man hat und zeigen kann: violá ich hab‘s geschafft und bin ein Ober-Baden-Badenianer! Das ist dann wie in einem Chanson eines bislang weitgehend unbekannten Schriftstellers, der also beginnt:

Chanson vom Ober-Baden-Badenianer

Ich bin ein Ober-Baden-Badenianer mit ganz viel Geld,

Epikureer bin und kein Spartaner

Und ein echter Mann von Welt,

 

Mein Anzug is made by Karl Lagerfeld,

Und meine Schuhe, ja Hemden sind genäht nach Maß!

Da staunste aber! Das ist doch was?

Hab‘ ne Protz-Villa an der Oos,

Und eine ganz coole Sportlimousine,

Ohne Moos ist nie was los!

Ob im Casino im Rizzi oder im Jardin,
Ob alleine, mit Geliebter oder mit Putain,

Im Bentley fährt gerne mit meine Super-Blondine.

…….

u.s.w…,,,,,,….

(copyright beim Verfasser)

Dennoch hat sich die Schönheit von Allee und Park erhalten und die Promenade lohnt allemal den Besuch. Wie oft bin ich dort selbst gerne flaniert.

Die erste große Kastanien-Allee ließ der Kammerherr des Markgrafen von Baden 1655 anlegen. So sagt es die Legende. Es war Moritz von Lassolaye in Diensten des berühmten Türkenlouis. Aber sicher ist, das Adam Weiß, Amtmann des Markgrafen um 1690, die erste Kastanien-Allee pflanzen ließ.
Die musikliebenden und mäzenatischen Pächter der Spielbank, nämlich Jaques und Eduard Bénazet, setzten dann dies Werk fort und ließen den großen Landschaftsgarten im englischen Stil ab den 1839 Jahren gestalten von Gartendirektor Johann Michael Zeyher aus Schwetzingen.

Von Lichtental an ist es eine Allee alter Linden, die in einem großen Bogen die Chaussee beidseitig begleiten,  später sind es Kastanien, die teils an Stelle der Bäume des Kammerherrn stehen, an einer geraden Strecke wie eine Römerstrasse. Als zweite Passage gibt es einen Fußweg, der ebenfalls von Bäumen beschattet wird direkt an der Oos.
Weite Wiesenflächen bilden die sogenannten Klosterwiese, die in diesem Sommer deutlich die Trockenheit zeigte mit hellbraunen Flecken.

Viele exotische Bäume, unter anderem Sequoien und Silberpappeln wurden hinzugefügt und ebenso Blutbuchen und Ahorn wie anderes mehr und leuchtende Rhododendren. Ansonsten gibt es schöne Farb-Kontraste von Blutbuchen und frischgrünen Buchen und weit hügelig komponierten Wiesen-Flächen, bepflanzt mit Solitärbäunen und Gruppierungen verschiedener Baumarten. Es ist etwa ein idyllisches Landschaftsstück, etwa wie Beethovens Pastoral-Sinfonie, nur eben nicht mit Tönen,  sondern als komponierte Landschaft.

Ein schöner Ort in der Nähe der Klosterwiese ist der Bénazet-Pavillon  mit einem Dahliengarten, der gerade im Herbst seine ganze Pracht entfaltet.

Den Pavillon hat man erst später hier aufgestellt, ursprünglich stand derselbe im Garten der Villa Bénazet. Überhaupt säumen viele elegante Villen und schmucke Häuser die Allee.
In der Nähe des Pavillons findet sich das Haus Clara Schumanns. Entsprechend wurden Büsten von ihr und von Johannes Brahms unweit davon aufgestellt.
Viele schöne Fußgänger-Brücken und Stege führen auf die andere Seite der Oos und in die Villengärten. Entsprechend sind viele Stege und kleine Brücken privat.

Der nächste reizvolle größere Garten an der Allee und Oos ist die sogenannte Gönner-Anlage mit Hecken, Rosenbeeten und einer von Skulpturen gerahmten Fontäne. Der Künstler Max Laeuger plante diesen Garten im Stil des Art-déco nach 1912 und der Kaffee-Baron Hermann Sielcken finanzierte und schenkte den Garten der Stadt. Auch die Wasserkunst Paradies am Berg geht auf Max Laeuger zurück, der ich ein extra Kapitel widmen werde.

Darauf folgen große Wiesenflächen mit besonders schönen alten hohen Bäumen und Blickachsen auf die Altstadt und das Neue Schloss Baden-Baden.

Gegenüber liegt das edle und ausgesprochen elegante Grand Hotel Brenners, wo der internationale Jet-Set heimisch ist und es sehr behaglich sein kann. Vielleicht gönnen sie sich hier wenigstens mal eine exklusive Tea-Time des Nachmittags mitsamt Champagner.

(siehe meine entsprechenden Beiträge  auf haute-culture-jdg.de: Tea-Time im Brenners, Zigarren Lounge, Fritz&Felix Restaurant)

Direkt gegenüber hat man vom Dichter Iwan Turgeniev eine Porträt-Büste aufgestellt, der über 10 Jahre in Baden-Baden weilte, von den herrlichen Bäumen an der Allee in seinen Briefen schwärmte, seine Villa ebenfalls von einem großen Park umgeben gibt es noch heute am Fremersberg.

In diesem Kontext möchte ich gerne an Renate Effern erinnern, die emsige Turgeniev Forscherin und Puschkin Preisträgerin, die ebenfalls oft die Allee langflanierte da gab es zahlreiche Begegnungen.  Mit Sprachwitz und Humor gab sie mir eine private Baden-Baden-Führung, also lernte ich Renate Effern kennen.

Gleichfalls steht an der Allee die Villa des Malers Winterhalter, deren einstigen nicht mehr erhaltenen Park kein Geringerer wie Fürst Pückler gestaltete. Beide sind allerdings in Privatbesitz und nicht zu besichtigen.
In der Nähe finden sich das Museum Frieder Burda und die Kunsthalle Baden-Baden. Endlich das einstige königliche Palais, heute LA 8 und das Haus von Pagenhardt nahe beim Theater und hier endet bereits offiziell die Lichtentaler Allee.

Immer wieder fahren Pferdekutschen die Strecke in Richtung Lichtental. Für einen gewissen Obulus können Sie eine solche Kutschfahrt unternehmen und sich dann wie die berühmten Gäste des 19. Jahrhunderts fühlen. Es gibt auch eine Bimmelbahn für small pocket Touristen und weniger stibewusste Tagesbesucher.

Ansonsten sei vor allem eine gemächliche Promenade zu Fuß empfohlen.
Elegante Zedernholz-Bänke stehen längs der Allee im Sommerhalbjahr. Ein Picknick in der Gönner-Anlage ist möglich, für das Sie freilich selbst sorgen müssen. Vergessen Sie nicht den Crémant oder Champagner nebst Kühler und allem was dazu gehört. Auch der Genuss von Zigarren kann an lauschigen Plätzen der Allee Freude machen.

(Wenn Sie in Baden-Baden gute Zigarren erwerben wollen, so gehen Sie am besten zu Zigarren Krone. Hier werden Sie exzellent beraten von einem echten Kenner und von Arturo Fuente über Havannas bis zur  Dominikanische Republik, aber nichts von Zino, werden Sie Vieles finden.  Siehe meinen Beitrag Krone Zigarren  auf haute-Culture-jdg.de)

 

Im Laufe der Jahreszeiten wechselt das Bild der Natur und die mannigfaltigen Ausblicke auf die Schwarzwaldberge und die Architektur schöner Villen und die Silhouette des Alten Baden-Baden offenbaren besondere Reize, die sie in dieser großartigen Form nur hier antreffen werden.
Also wird verständlich, weshalb Baden-Baden zu den Great Spas of Europe gerechnet wird und Teil des Weltkulturerbes ist.

Jean B. de Grammont

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