François Joseph Gossec Sinfonien op. 6

François Joseph Gossec gilt im Frankreich des 18ième als einer der wichtigsten Schrittmacher der neuen Form Sinfonie.

Geboren als Bauernsohn in Wallonien erkannte man früh sein außergewöhnliches Talent und schickte ihn, zuerst an eine Klosterschule, dann wirkte der Knabe Gossec in verschiedenen Chören, später an die Kathedrale von Antwerpen, wo er als Chorknabe seine Fertigkeiten vervollkommnete.
Endlich landete Gossec in Paris beim großen Jean Philippe Rameau, wo derselbe eine gründliche kompositorische Ausbildung genoss.
Als Violinist in der Kapelle von Rameaus Mäzen, dem unvergesslichen Marquis Alexandre Le Riche de la Pouplinière, hatte Gossec eine feste Position. Beim Böhmen Stamitz lernte Gossec dazu und wurde schließlich in Chantilly Kapellmeister beim Prince de Conti.

Noch zu Lebzeiten Rameaus erschienen Gossecs Sinfonien Opus VI., anno 1762.
Beim entdeckungsfreudigen Label CPO ist kürzlich eine Aufnahme dieser Preziosen erschienen mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Leitung von Simon Gaudenz mit modernen Instrumenten, aber in flotter und an der Aufführungsweise des 18. Jahrhunderts geschulter Manier.

Gossec komponierte neben Sinfonien auch Opern, Oratorien und ein pathetisch grandioses Requiem (bereits 1760), ferner Streichquartette und später nach der Revolution geschickte Orchestrierungen der Marseillaise und Hymnen auf die junge Republik und anderes mehr.

In diesen Sinfonien leuchtet sein Genie mit echt französischem Esprit und einer Eleganz ohnegleichen.
Drei der Sinfonien verwenden zum Streichorchester 2 Oboen und 2 Hörner.
Die übrigen drei sind reine Streicher-Sinfonien.
Zwei der Sinfonien stehen in Moll-Tonarten, die übrigen in Dur. Die ersten beiden beginnen mit feierlich bis lyrischen langsamen Eröffnungs-Sätzen. Im Detail zeigt sich Gossec als Meister der Form. Raffinierte Durchführungen sind zu finden und kleinteilige Motive werden auf kunstvolle Weise verarbeitet. Der lyrische Zauber der langsamen Sätze ist groß, zu sanglichen Melodien treten Pizzikati und fein geführte Holzbläser und Hörner, die in der vorliegenden Aufnahme gerade in den Allegri schmettern dürfen. Selbst Fugati gibt es, so etwa der Schluss-Satz der c-Moll Sinfonie.
Und selbst Menuette treten als Mittelsatz oder als Finale auf.  Einmal dann auch an dritter Stelle, wie es dann üblich werden sollte. Es darf graziös sein. Der italienische Stil wird hier geschickt von Gossec mit hergebrachten französischen Idiomen verbunden.
Es ist sehr zu begrüßen, dass sich das Württembergische Kammerorchester dieser schönen Sinfonien mit viel Akkuratesse angenommen hat. Es ist un grand plaisir, zu lauschen!

Jean B. de Grammont

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