Johann Anton André Streichquartette

Unter Kennern ist der Musik-Verleger Johann Anton André aus Offenbach am Main ein Begriff.
Vor allem weil André als erster das Gesamtwerk Wolfgang Amadeus Mozarts verlegte, was damals eine kluge Entscheidung war. Selbst wenn Witwe Constanze einen stolzen, aber vollauf berechtigten Preis für den gewaltigen Nachlass ihres allzufrüh verstorbenen Gemahls Wolgang Amadé verlangte. Letztlich aber boomte gerade dadurch das Geschäft.

Wenn ein auch als Musikforscher ausgewiesener Verleger ein dermaßen gutes Gespür hat und selbst zur Feder greift, Noten zu schreiben, dürfte dabei mehr rauskommen wie Dilettantismus.
Und das beweisen die vom jungen Oxalis Streichquartett erstmals eingespielten Quartette op. 15. No. 1 und No. 3 nachdrücklich.
Sehr sorgfältig komponierte Quartette in der klassischen Tradition und an der Schwelle zur Romantik sind das. Hinzu treten zwei kleine experimentelle Quartett-Sätze mit dem netten Titel poissons d‘avril, was so viel wie April-Scherze heißt. Es sind aber keine Scherzi, sondern zwei langsam- schnelle Satzpaare, wobei der rasche Satz jeweils eine ausgetüftelte Fuge ist. Allerdings spielen hier alle Stimmen in verschiedenen Taktmaßen, deshalb der kryptische Titel.
Stefan Besan und Friedericke Kampich Violinen, Tim Düllberg Viola und Lucija Rupert Violoncello hauchen diesen großartigen Aprilfischen wunderbar Leben ein.
Desgleichen den beiden großen Quartetten, die keinem Geringeren wie Luigi Cherubini gewidmet sind. Es wird schlank und geschmeidig gespielt.
Da werden die Eröffnungs-Sätze mit nahezu gleichberechtigten Stimmen zu kostbaren Miniaturen und die langsamen Sätze, teils mit Pizzikati unterlegte Gesänge, atmen opernhafte Theatralik. Während die Menuette etwas flott Ländlerhaftes haben und die munteren Final-Rondi etwa Kapriziöses, das selbst Haydn oder Mozart die Ehre gereichen würde. Alles sind die Themen bereits etwas weiträumiger gehalten wie bei den beiden Großen und die Quartette tragen den Geist der frühen Romantik in sich.

Das Label CPO macht wieder einmal solche Entdeckungen möglich. Eine spannende Aufnahme, die es lohnt gehört zu werden.

Jean B. de Grammont

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