

Viele kennen Christoph Graupner nur vom Namen her. Das war doch derjenige der Johann Sebastian Bach in Leipzig vorgezogen wurde, nachdem Telemann die Stelle ablehnte. Welch eine Unverschämtheit denken und dachten die eingeschworenen Bachfanatiker!
Allerdings ist das in gewisser Weise aus der Perspektive des 18. Jahrhunderts durchaus verständlich. Denn Graupner wurde einmal von Telemann empfohlen, dem führenden Komponisten aus Deutschland in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der in ganz Europa Anerkennung fand, während Johann Sebastian Bach überwiegend unter Kollegen und im Thüringer Raum und Sachsen bekannt war vor allen Dingen als Organist.
Freilich auch bei Graupner war der Rahmen eher beschränkt. Denn er diente sein Leben lang dem Landgrafen von Hessen Darmstadt in der Residenz zu Darmstadt als Hofkapellmeister.
Überdies war Seine Erlaucht Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt ein Kenner der Musik und komponierte selbst. Ich verstehe Erlaucht sehr gut, weshalb sie einen Komponisten vom Range Graupner nicht weglassen wollte, denn das war auch der Grund weshalb Graupner nicht nach Leipzig kam.
Denn Graupners Musik ist durchaus geistvoll voller Farben und sehr berührend insbesondere die geistlichen Kantaten.
Während die hier bei CPO nun erschienen Sinfonien und teilweise Orchester Suiten und Divertimenti zur Tafel einen anderen Graupner zeigen, der experimentierte und in der Form der italienischen Sinfonia in teils großer reicher Besetzung mit teilweise vier Pauken, mehreren Hörnern, Trompeten, Flöten durchaus Bedeutendes leistete. Wobei diese Kompositionen eher für weitere mögliche Bewerbungen bzw. die Mappe gedacht waren, während er die geistlichen Kantaten eben für die Hofkapelle des Landgrafen zu schreiben hatte.
Das Label CPO hat mit Florian Heyerick einen guten Sachwalter Graupners gefunden.
Auf der Doppel-CD spielt Il Gardellino mit viel Schwung mit duftigen Holzbläsern, donnernden Pauken, schmetternden Trompeten und schallenden Waldhörnern historisch informiert diese interessanten Stücke erstmals ein.
Indes das Kirchheimer Bach-Consort ebenfalls auf historischen Instrumenten sämtliche Kantaten für Bass und Tenor, zu Passion und weiteren Feiertagen des Kirchenjahres aus mittlerer und späterer Schaffenszeit aufgenommen hat.
Die ausgezeichneten Solisten wie Dominik Wörner Bass und Georg Poplutz Tenor sind geradezu ideale Interpreten mit ihrer Barock-Erfahrung.
Geschmeidige Melodien in Arien und Duetten und anrührende schlichte, aber gut gesetzte Choräle halten sich die Waage. Eine zu Herzen gehende geistliche Musik des Barock. Vielleicht nicht ganz so kühn wie Telemann bisweilen und gewiss nicht so kontrapunktisch dicht wie J.S. Bach, aber meisterhaft durchaus und hörenswert.
Jean B. de Grammont

