Anton Reicha Sinfonie und Ouvertüren


Frisch aus der Kiste könnte man sagen, wenn man diese Einspielung an Orchestermusik Anton Reichas in den Fokus zieht.
Denn erst in den letzten Jahren hat die Musikforschung es möglich gemacht, dass die Sinfonie in D und zwei Ouvertüren wieder aufgeführt werden können. Nach mühsamen Einrichten der Partituren aus den zerstreuten Blättern in sorgfältig in der Bibliothèque Nationale zu Paris aufbewahrten Kisten.

Das Münchner Rundfunkorchester unter Leitung von Valentin Egel hat sich für Reicha beim Label CPO eingesetzt.
Eben ist Vol. 1 der Gesamteinspielung der Sinfonien erschienen.
Anton Reicha, das war einer der vielen hochtalentierten Böhmen der Musikgeschichte.
In Prag geboren führte sein Lebensweg über die berühmte Hofkapelle des Fürsten zu Oettingen Wallerstein, wo sein Onkel als Kapellmeister tätig war, dann an den kurfürstlichen Hof nach Bonn, wo er sich mit dem jungen Beethoven anfreundete.
Darauf ging es nach Wien und endlich nach Paris, wo Reicha 1836 starb und große Erfolge feierte. Seine Gebeine liegen auf dem Friedhof Père Lachaise. U.a. war Reicha Kompositionslehrer Hector Berlioz‘. Mit seinen Bläser-Festmusiken pour les grands hommes de la Nation Francaise hat er sich in das große Buch der französischen Geschichte auf ewig eingetragen.
In der eingespielten Sinfonie, die wohl noch in seiner Bonner Zeit, also in den 1790iger Jahren entstand, zeigt sich Reicha ganz als gelehriger Schüler Haydns und Mozarts, dabei geht er aber durchaus voran. Mit einer kurzen langsamen Einleitung hebt das ausgeklügelte Allegro Maestoso an. Im Andante gibt es duftige Holzbläser Soli insbesondere für die Flöte, die daran erinnern, das Reicha auch Flötist war. Das Menuetto hat etwas Scherzo-Haftes und weist auf Beethoven. Schließlich das Finale vereint rhythmische Kraft mit kontrapunktischer Finesse.
Das Münchner Rundfunk-Orchester nimmt diese Sinfonie mit Elan und feiner Detailarbeit.
Die beiden Ouvertüren in D und in C zeigen einen unkonventionellen Reicha mit einer Harmonik, die weit in romantische Bereiche vorstößt und fast schon Anklänge an Richard Wagner bietet. Auch hier bringen sich Valentin Egel und das Münchner Orchester mit Enthusiasmus ein. Auf weitere Folgen dürfen wir gespannt sein.

Jean B. de Grammont