Flamenco Tanz und Kammermusik Bodensee Festival

Im Rahmen des Bodensee Festivals 2026 gab es am 9. Mai im Kulturzentrum Konstanz eine besondere Veranstaltung von synästhetischen Dimensionen aus Flamenco-Tanz und Kammermusik für Klavier, Violoncello und Sopran.

Diese Melange der Künste hatte einen besonderen Reiz und erhielt in der farbenfrohen und bewegungsreichen Darbietung der Flamenco Tänzerin ihre besondere, überaus temperamentvolle Theatralik von eigener Prägung.
Hinzu kam, dass gleich vier lebende Komponisten bzw. eine Komponistin mit Stücken vertreten waren, wobei sogar zwei vor Ort waren.
Nämlich die Choreografin und Komponistin Georgina Sánchez, dann die Komponisten Frédéric Bolli und Holmer Becker, der Vierte im Bunde Jiri Bezdék konnte diesmal leider nicht kommen.
Alle anderen Stücke waren überwiegend von spanischen und französischen Komponisten vor und nach 1900 analog zu den Tanzdarbietungen passend ausgesucht. Manches erklang rein instrumental.

Gleich zu Beginn ging es elegant mit spanischer Melodik nach Córdoba aus den Cantos de Espana für Cello und Klavier.
Andrea Wiesli an den Tasten und Jonas Kreienbühl am Violoncello stimmten diese spanische Weise von Isaac Albeniz an, ob nun mit feinsinnigen Tastenspielen und Akkorden und bisweilen im Pizzicato gezupften Cello-Saiten.

Die ausdrucksvollen Bewegungen der Tänzerin Bettina Castano in rotem Flamenco Kleid, teils mit hölzernen Rhythmen von klappernden Kastagnetten, teils mit Gesten des Fächers unterstrichen, taten ein Übriges um die hispanisierte Athmosphäre duftig aufzubauen aus Tönen, Farben und Bewegungen.

Sehr melodisch leuchtete darauf des böhmischen Gegenwarts-Komponisten Jiri Bézdek Lied ohne Worte von den Pianotasten solo.
Darauf ging es wieder zurück nach Spanien mit Isaac Albeniz und den Asturias aus dessen Suite espanola.
Wieder mit einer hinreißenden Tanzeinlage bewegungsreich und mit Kastagnetten-Rhythmen illustriert und rhythmisiert.

Mit einer Tanzchoreografie mitsamt gesprochenem Wort und einem Solo-Cello-Stück von Georgina Sánchez ging es recht melancholisch und mit langsamen gestenreichen Bewegungen weiter. Cello-Gesang und Tanzbewegungen standen im harmonischen Einklang.

Muriel Schwarz‘ feinstimmiger Sopran kam in César Francks Lied Le Sylphe nach einem Gedicht von Alexandre Dumas in duftigen poetischen Linien zum tragen, die in eine zarte Traumwelt der französischen Spätromantik entführte.

Holmer Beckers abwechslungsreiches und ausdrucksvolles Divertimento für Violoncello und Klavier wurde mit perlenden Klavierläufen und akzentuierten Saiten-Kapriolen auf dem Violoncello mit anspruchsvoller Choreografie seitens der Tänzerin ergänzt. Sodass daraus ein Divertimento in Tönen und Tanzschritten entstand, dass zwar modern, aber in dieser Verbindung aus Tanz und Musik fast an höfische Ballett-Divertissements des 18. Jahrhunderts entfernt erinnern mochte.

Drei Gedichte der aus Lodi stammenden Dichterin Ada Negri vertonte Frédéric Bolli für Singstimme und Klavier.
Ein echtes Liebeslied das erste Te Solo.
Der Schweizer Komponist Bolli setzte die ausdrucksvollen Worte der Dichterin hier mit glitzernden, den Textinhalt nachzeichnenden Klavierlinien um, wozu expressiver Gesang in lichten Melodie-Bögen trat. Von Muriel Schwarz singend und Andrea Wiesli spielend bestens gemeistert.
Ein echtes Mondlicht-Bild zauberte dann das zweite Lied hervor nach Ada Negris Poesie Addio della luna mit einem längeren Vorspiel des Klaviers bis dann die Singstimme den Mondlichtzauber einfing.
Endlich beschloss den Liedzyklus eine expressive Storia breve, eine kurze Geschichte mit entsprechendem kurzen und abrupten Schluss, in Bollis Komposition sinnfällig umgesetzt und von den beiden Interpretinnen stimmig vorgetragen.

Daraufhin bot Bettina Castano eine temperamentvolle Tanzeinlage eigener Choreografie mit rhythmischem Furioso geradezu.

Endlich entzückte Gaspar Cassados Stück Requiebros in schwungvollen Meldodien.
Zum Beschluss folgte die Suite Manuel de Fallas über verschiedene spanische Volkslieder, wobei nun die meisten vom Cello vorgetragen wurden und nur eines gesungen.
Hier vereinten Tänzerin und Musikerinnen wie der Cellist noch einmal ihre Künste aus Melodien, Rhythmen und getanzten Gesten und Bewegungen, so dass es eine Freude für Auge und Ohr gleichermaßen war, in der Mischung der Kunstformen. Es war ein bezaubernder spanisch und modern geprägter Abend aus Tanz und Musik, wie er im Genre der Kammermusik doch höchst selten geboten wird.

Jean B. de Grammont