Sommertheater Überlingen mit Molière

 



 

Copyright der Bilder beim Autor und bei den Produzenten.

 

Das neue Globe Theater Potsdam gastierte wieder in Überlingen zum Theater-Sommer 2026.
Diesmal wurden gleich drei Stücke präsentiert im neu renovierten Kulturraum der früheren Kapuzinerkirche nahe des Sees. Ich beschränke mich auf das Erste.

Zu Beginn kam eine in Deutschland wenig gespielte Komödie Molières auf die Bühnenbretter.
Und zwar die Streiche des Scapin, ein ausgesprochen lustiges Stück.
Vorneweg schaltete die Theater-Truppe noch ein sehr freies Arrangement von Molières Stegreifspiel von Versailles.

Eine echte Schaubühne im Stil des Barock mit Theater Vorhängen und aufgemalten Figurinen, darunter weiblichen Karyatiden, bildete den Bühnenhintergrund. Davor agierten die dramatis personae im Kostüm der Ära Ludwigs XIV.

Hinter den roten Theater-Vorhängen der dreiachsigen Bühnenarchitektur verschwanden die Darstellerinnen und Darsteller, oder sie tauchten überraschend wieder auf.

Im Stehgreifspiel von Versailles, das hier quasi den Prolog des Hauptstücks bildete, bringt eine Rolle für Mollière persönlich und einige hochgeborene Mäzene und schlaue Koketten.
Dieselben Marquisen und Marquis werden immerhin eingeladen, nicht nur Geld zu spendieren, um die Schauspielkunst zu fördern, sondern gleich selbst mitzuspielen.
Was Marquis de La Thorillière sich nicht zweimal sagen lässt und somit finden wir ihn dann später in der Komödie.
Selbst Molière beschreibt sich hier in seiner Rolle als geckenhafter Marquis.
Selbst wenn manches nicht ganz klappt und absichtlich Szenen wiederholt werden. Es gibt ja die Souffleuse, die notfalls hilft und mit dem Flüstern der richtigen Worte einspringt. Das erhöhte die Situationskomik.

Also wurde bereits im Prolog ein abwechslungsreiches Schauspiel voller Wortwitz auf die Bühnenbretter gebracht, so dass sich die Zuschauerschaft des Spektakels geradezu nach Versailles versetzt fühlen mochte, auch wenn es nur in der Überlinger Kapuzinerkirche war.

Wie hieß es in der freizügigen Paraphrase des Stegreifspiels, mit deutlicher ironischer Selbstkritik.
Das ist eine Bruchbude und kein echtes Theater, wir haben Angst vor einem Misserfolg, es gibt Leute die nur lachen, wenn es der Nachbar auch tut.
Aber getrost, es gab hier genug zum Lachen und zwar von ganzem Herzen, das es eine Freude war. Natürlich wurde über die Schwierigkeiten der Finanzierung der Kunst gesprochen. Ein guter Mut tut immer gut.

( Das kenne ich ja von meinem eigenen Blog. Der Spendenaufruf dafür hat bislang nichts pekuniäres ergeben, leider!)

Satire auf Racine kam ebenfalls im Text vor, dem großen Zeitgenossen Molières.
Musik und Tanz vom Band abgespielt, sogar aus der Barockzeit mit echter flotter französischer Musik von Lully rundete dieses Stegreifspiel ab.

Die Pointe war, dass man zunächst eine Schlager-Musik des späten 20. Jahrhunderts vom Band abspielte, statt echter barocker Tanzmusik, die dann aber umso mächtiger vom Tonband groovte, so dass die lockigen Allonge-Perrücken der Monsieurs zu wackeln begannen und die gepuderten Perrücken der Mesdames zu tänzeln.

Endlich nach diesem affektiert heiteren Entrée begann das Hauptstück des Abends mit dem findigen Schurken voller List und Geistesblitz namens Scapin, das auf der italienischen Comedia dell‘arte beruht und eigentlich in Neapel spielt, hier aber in das alte Frankreich verlegt wurde.
Dank der Regie Kai Frederic Schrickels wurden Prolog und Hauptstück eine abwechslungsreiche Partie.

Oktavio, der Sohn des reichen Argant klagt seinen dummen Diener Sylvester seine Not mit der Geliebten Hyazinthe, da sein Vater sicher nicht der Verbindung zusammen wird. Obendrein kommt der Vater überraschend zurück. Schlimmer kann es kaum werden.
Da ist guter Rat teuer und es kommt gerade Scapin recht, der nie um schlaue Ratschläge verlegen ist. Das dies gleich ein witziger Dialog wurde, dafür sorgten Alexander Jaschik als Diener und Laurenz Wiegand als Oktavio.

Ab da nahm die Komödie richtig an Fahrt auf und als dann später die beiden geizigen Väter Argant und Geront aneinander geraten erklimmt die Komödie ihren Höhepunkt.
Scapino hat es schlau eingefädelt und eine angebliche Entführung der Söhne durch die Türken erfunden, um die Herren Väter zur Kasse zu bitten.
Doch so leicht ist das nicht, vor lauter Geiz kleben beide alten Herren mehr an ihrem Geld wie am Wohl ihrer Kinder.
Aber Scapino gelingt das Unmögliche und er kassiert geschickt ab.
Kilian Lötker verkörperte dieses Urbild des schlauen Gauners vortrefflich.
Und Diener Sylvester kam verkleidet mit Schnauzbart und Degen als wildem Türken eine wahre Heldenrolle zu, während einer der Geizkragen in einem Sack versteckt Prügel abbekam und das Zittern lernte, ist die Komik kaum zu überbieten.
Geront wurde von Kai Frederic Schrickel sehr stark gegeben und desgleichen schlüpfte Andreas Erfurth geschickt in die Rolle des Vaters Argant. Beide Töchter, nämlich Zerbinette und Hyazinthe, wurden von Petra Wolf und Rike Joenig mit Bravur gespielt.
Desgleichen Leander, der Sohn des Geront, von Dierk Prawdzik glaubhaft dargestellt, der ebenfalls am Unverständnis seines Vaters sein Liebesglück scheitern sieht.
Aber Scapino sei Dank! Am Ende finden sich die Paare und selbst die Väter sind versöhnt und mit den Allianzen d’accord und ihre Brieftaschen erleichtert. Wahre Kurzweil aus dem Grand Siècle des Sonnenkönigs war es und das sogar in Überlingen!

Jean B. de Grammont

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Nach Golde hängt, nach dem Golde drängt doch alles, wusste bereits Goethes Mephistopheles, aber der Dichter-Fürst hatte von zu Hause aus genug Gold!

Sollten Ihnen die hochkultivierten Beiträge von haute-culture-jdg.de nichts wert sein, rechne ich Sie leider zu den barbares teutonesques und Molière hat bekanntlich das Stück l’avare geschrieben.
Un grand merci! Sollten Sie sich angesprochen fühlen.