
Der Cembalist und Komponist Johann Gottlieb Goldberg ist vor allem bekannt im Kontext der berühmten Goldberg Variationen von Johann Sebastian Bach, die derselbe als Kammercembalist des Grafen Keyserlingk in dessen schlaflosen Nächten zur Gemütsergötzung seiner Erlaucht gespielt haben soll.
Eine hübsche Anekdote, die gut erfunden ist.
(Siehe auf haute-culture-jdg.de meine Besprechung der Goldberg Variationen von J.S. Bach)
Zwar war Goldberg tatsächlich Schüler des großen alten Bach und kompositorisch steht er etwa Wilhelm Friedemann Bach kaum nach.
Goldberg muss ein exzellenter Cembalist gewesen sein. Als Komponist ist er noch zu entdecken. Ein jung schon mit knapp an 30 Jahren verstorbenenes Original-Genie.
Von Goldberg gibt es fantastische Kammermusik, ein paar Kantaten und dann zwei Cembalo Konzerte, die herausragend sind. Nicht schlechter wie diejenigen der Bach-Söhne Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann, fast noch eine Spur expressiver und gesuchter.
Dank dem audiophilen Label Darbringhaus und Grimm liegen beide Konzerte in einer auch klangtechnisch exzellenten Aufnahme des Goldberg Barock Ensembles mit der Cembalistin Alina Ratkowska historisch informiert vor.
Das Goldberg Baroque Ensemble spielt ausgesprochen warmtönend und zugleich federnd filigran. Während die Cembalistin ihre schwierigen Parts leichtfüßig und mit feinstnuanciertem Wohlklang meistert. Die Arpeggien fließen wie ein silberplätschernder Bach dahin. Besonders ergreifend sind die melodischen und melancholischen langsamen Sätze, insonderheit das Largo con sordino des Es-Dur Konzerts, mit seinen gedämpften Streichern und seufzenden Lamento Kantilenen des Cembalos zu pochenden Pizzicato Bass. Elegant, empfindsam und kunstvoll gebaut ist Goldbergs Musik zugleich und weist weit voraus, weg vom Barock in Richtung Klassik.
Diese Aufnahme ist ein must have für Freunde der Cembalo Musik und wenn sie im jemanden kennen, der schon viel gesammelt hat, dürfte diese Aufnahme eine passende Ergänzung sein.
Gut möglich, dass der Komponist Goldberg in der Collection eines solchen Kenners noch fehlt, wenngleich die Goldberg Variationen in mindestens 6 verschiedenen Aufnahmen vorhanden sind.
Mein persönlicher Geheimtipp ist daher diese Aufnahme der Concerti für Cembalo von Johann Gottlieb Goldberg.
Jean B. de Grammont

