







Fotos Copyright beim Autor, eines zeigt im Hintergrund ein Selbstporträt des Verfassers en aquarelle vor einem Château im Berry.
Es mag ein nostalgischer Rückblick sein! Oder eine Reminiszenz an vergangene Tage.
Denn unlängst öffnete ich aus alten Weinkellerbeständen eine Château Le Boscq Jahrgang 1988.
Damals war ich noch jung und hatte das Leben vor mir.
Noch bin ich dank meiner lebensbejahenden Weise nach französischer Art und dank französischer Ahnen jung genug geblieben, um die schönen Seiten des Lebens zu goûtieren, ohne mich vergällen zu lassen durch teutonische Miesgrämigkeit.
Ein vin rouge aus dem Médoc zu Bordeaux Saint Estèphe, eine Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon mit 12,5 % Alkoholgehalt, gekeltert noch unter dem Vorbesitzer des Schlosses und Weinguts Philipp Durand.
Das Château ist übrigens ein prächtiger Bau aus dem 18. Jahrhundert mit Mittelrisalit und Seitenflügeln ganz im vornehmen französischen Stil der Zeit samt Zeltdächern.
Ich entfernte behutsam den Staub von der gut gelagerten Flasche und brachte diese auf leicht gekühlte Temperatur.
Das Ziehen des Korkens, der weitgehend intakt war, stellte eine Kunst für sich dar.
Immerhin war derselbe recht gut erhalten für das Alter unter der geschlossenen roten Aluminium Hülle mit dem Wappen des Guts sant drei Jakobs- Muscheln und mit der Marianne ganz oben auf dem Verschluss des Flaschenhalses.
Das leicht vergilbte wohlerhaltene Etikett zeigt das Château und die Weinberge. Das Gut nennt etwa 20 Hektar sein Eigen und zählt damit eher zu den kleineren Gütern. Bis heute ist man allerdings bei Le Boscq sehr Qualitätsbewusst eine lange Lagerfähigkeit ist unter idealen Bedingungen möglich.
Es war mir ein Vergnügen diesen alten Bordeaux zu kosten!
1988 regierte der bis heute letzte wirklich große Präsident die République française, nämlich François Mitterand, ein kultivierter homme des lettres, zwar Sozialist, aber von royaler Prozedur!
Der Wein hatte eine dem Alter entsprechend hellere rote Färbung beinahe wie ein Granatapfel, der Wein war mild und fein geworden, die Tannine besänftigt.
Ich bereitete dazu Lammkoteletts und Bratkartoffeln mit Möhren an Rosmarin und Zutronenmelisse. Ein rustikales Menü champêtre gewissermaßen, was gut passte.
Ich hörte zur Tafel Mozarts überirdisch schönes Klarinetten-Quintett in einer exzellenten Aufnahme, ausnahmsweise nicht historisch informiert.
Den ersten Schluck mit winzigen Korkbröseln, die im Flaschenhals verblieben waren, goss ich zum Löschen der Koteletts in die Stahlpfanne. Damit waren die Korkbrösel weg und die Soße exzellenter.
Dann füllte ich ein geschliffenes Kristallglas und der feine Beerenduft des Weins erfreute voller Subtilität.
Nach weniger Zeit wurde der Wein immer besser.
Milde Waldbeeren Aromen und fast eine Ahnung von Brombeere und Wildkirsche mit sanften Anklängen an Erde und Leder an Walnuss, all das zeigte Anklänge an das kieselhaltige mineralische bis lehmige Terroir des Château Boscq auf einer Hügelkuppe. Das beglückte.
Eine milde und duftige komplexe Aromen- Vielfalt entfaltete sich, die alte Weine so reizvoll machen kann.
Zum Dessert gab es Crème brulée, ausnahmsweise leider nicht selbstgemacht.
Heute Abend zum Picknick trinke ich den Rest.
Zwar ist Château le Boscq nur ein Cru Bourgois und es steht nach den ganz berühmten Weingütern des Bordeaux somit in der zweiten Liga und somit nach den bekannten Grand Cru bzw. Premier Cru gemäß der alten Klassifikation aus der Ära Napoleons III. Aber das ist auch eine ganz andere Preisklasse.
Es lohnt in jedem Fall, eine gut gelagerte Flasche zum vergleichsweise kleinen Preis bei einem Weinhändler oder besser Spezialisten ihres Vertrauens zu erwerben.
Für Freunde des Besonderen, zu denen ich die Leserinnen und Leser meines Blogs
haute-culture-jdg.de wohl rechnen darf eine echte Empfehlung.
Jean B. de Grammont

