


Eine seltene Symbiose von deutschem Genius und französischem Esprit sind die Kompositionen von Louis Gabriel Guillemain. Insbesondere seine Sonates en Quatuor. Diese entstanden unter Einfluss von Telemanns Pariser Quartetten in den Jahren nach 1740. Eingebungen eines genialen Geigers, der insbesondere im Sammeln erlesener Gobelins sich ruinierte.
Mehrere Sammlungen von Quadri legte Guillemain vor, die allesamt im Notenstich publiziert und Mitgliedern des Hochadels dediziert wurden.
Das Ensemble Barockin hat aus dem premier livre de Quatuor von 1743 und dem second livre von 1756 je zwei Piècen eingespielt, teils als Weltpremieren.
Diese ausgesprochen feinschillernde Musik für Flûte Traversière, Violon, Violoncello und Gambe wie Clavecin trägt im Untertitel die Bezeichnung Conversations galantes et amusantes und hat etwas von der geistvoll neckischen Conversation in einem Salon des Age de la lumière, oder ist es doch der Hofton zu Versailles mit Intrigen und Ränken geschwängert und etwas der leicht boshaften bis liebenswürdigen Intelligenz der Marie Antoinette oder der königlichen Prinzessinnen?
Allein der betörende Zusammenklang der Instrumente hat etwas von den Seidenroben der dames du cour.
Die Melodien der Sätze sind geschmeidig wie eine Rocaille gemalt von Francois Boucher, die Airs und Gavottes klingen wie Perlmutt.
Dabei sind die Eingangssätze dennoch konstruiert und haben vorklassische Sonatenform mit viel kontrapunktischem Geschick bisweilen.
Die Musik ist höchst abwechslungsreich , niemals langweilig und bordet über an Virtuosität und Einfallsreichtum, wie eine Metusalem Bouteille besten Champagners für das Gehör.
Das diese Perlage den Ohren schmeichelt, dafür sorgen die exzellenten Interpreten von Barockin.
Mit Kozue Sato an der Traversière, Dmitry Serbin Barock-Violine, Pavel Serbin Viole de Gambe, Felix Stoss Violoncello und Francis Jacob am Clavecin, die sämtliche Compositions ungemein lebendig und mit klanglicher Delikatesse darbieten.
Diese Ohrenschmeichler und geistvollen Capricen Guillemains sind erschienen beim Label Raumklang.
Hier können sie sich den Champagner sparen und Sie werden allein musikalisch beschwingt.
Jean B.de Grammont

