Emilie Mayer Streichquartette


Wer sagt, dass Frauen nicht komponieren könnten, der liegt völlig daneben.
Deshalb setzen wir unsere Reihe der Komponistinnen Porträts fort.

Zuletzt besprachen wir eine CD der venezianischen Komponistin Barbara Strozzi, jetzt geht es in das deutsche romantische 19. Jahrhundert: aber nicht Clara Schumann oder Fanny Mendelssohn Bartholdy ist gemeint, sondern Emilie Mayer, die man bereits als weiblichen Beethoven bezeichnete, was allerdings eine falsche Fährte ist.

Immerhin ist sie in der Nähe der Mendelsohns in Berlin begraben und musikalisch steht sie den genannten romantischen Kolleginnen keineswegs nach, nein ich würde sogar sagen sie überragt alle beide, was die Kunst der Komposition angeht, insbesondere in der Königs Gattung des Streichquartetts.

Das Komponieren zu vier Stimmen, überhaupt das Schreiben von Kammermusik ist immer das Qualitäts Siegel der Tonkünstler, ob weiblich oder männlich oder sonst was, gewesen.

Emilie Meyer steht hier durchaus in der Tradition der Klassik und frühen Romantiker und entwickelt aber ihren ganz eigenen Stil in den insgesamt zwölf Streichquartetten, die sie komponiert hat.

Nun liegt beim Entdecker Label CPO mit dem Constanze Quartett die Folge Nummer zwei ihrer Streichquartette vor.
Das Constanze Quartett besteht seinerseits auch aus vier Musikerinnen und zwar Emiline Pierre Larsen und Sara Mayer Violine sowie Elen Guloyan Viola und Julia Ammerer-Simma Violoncello.

Beide Quartette entstanden in den 1850er Jahren und haben eine eigene exquisite Tonsprache, sehr melodisch nuancenreiche Harmonik und besonders ausgefeilte Kontrapunktik in einigen Abschnitten.
Das F Dur Quartett hat alles zu bieten, was man von einem großangelegten Streichquartett der Hoch- Romantik erwarten kann: es gibt ein beschwingtes eröffnendes Allegro moderato, ein sehr witziges Scherzo, ein ausgedehntes Andante cantabile in Variationen, das über eine viertel Stunde dauert und ein sehr heiter beschwingtes Finale, was dennoch sehr gut konstruiert ist.

Das Streichquartett in G Moll überzeugt ebenso mit Ausdrucksreichtum in vier Sätzen, mit einem Scherzo und einen sehr innigen Adagio, dem ein sehr kapriziöses Finale folgt. Da ist viel Fantasie enthalten und sehr viel Satz Kunst. Lehrer von Emilia Mayer war übrigens kein geringerer wie Carl Loewe.
Das Constanze Quartett musiziert ausgesprochen feinstimmig und zelebriert die Streicherkammermusik dieser einzigartigen Komponistin mit einem warmen Ton.

Es scheint fast wie eine musikalische Analogie zum Gemälde auf dem Cover mit einer in duftigen Chiarascuro gehaltenen Landschaft, hier in Tönen.
Es lohnt sich sehr, diese Komponistin zu entdecken.

Jean B. de Grammont