Telemann Harmoniemusiken

Indes ist Volume 3 der Gesamtaufnahme der Bläser-Partiten oder Harmonie-Musiken Georg Philipp Telemanns beim Label CPO erschienen.
Ja Sie lesen richtig, es war tatsächlich Telemann, der bereits gut 50 bis 60 Jahre vor Mozart und anderer Meister Harmoniemusiken komponierte in der Besetzung für 2 Hörner, 2 Oboen und Fagott bzw. teils zusätzlich mit dem Basso-Continuo eines Cembalo grundiert.

Harmonie-Musik avant la lettre gewissermaßen. Telemann war wieder einmal Pionier einer Gattung.

Das L‘Orfeo Bläserensemble unter Leitung von Carin van Heerden hat sich dreier Suiten angenommen, davon zwei als Weltpremieren. Allerdings ist bei zwei Suiten, der ersten und der letzten die Autorschaft nicht hundertprozentig gesichert. Es sind ein paar simple Stellen dabei, vielleicht handelt es sich um eine vereinfachende Abschrift. Dennoch klingen diese Stücke sehr nach Telemann. Absolute Gewissheit wird es nie geben.

Ergänzt wird diese Aufnahme durch zwei Trios im eleganten französischen Stil für zwei Oboen und Generalbass, die aus einem handschriftlich überlieferten Zyklus von 6 Werken stammen.
Nur hier wünschte man sich zusätzlich ein den Continuo mitspielendes Fagott, das Cembalo allein klingt etwas dünn.

In den Ouvertüren-Suiten hingegen ist die Besetzung komplett. Die erste sehr divertierende Suite erklingt in reiner Bläser-Besetzung.
Eine fröhliche Tafelmusik für die High Society des 18, Jahrhunderts mit viel Charme und tänzerischem Schwung. Man wohnt klanglich etwa einer adeligen Jagdgesellschaft bei den Tafelfreuden bei.
Die erste F-Dur Suite liegt auch in einer Fassung für 2 Violinen und Hörnern mit B.C. vor.
Davon gab es bereits frühe Aufnahmen, die prominenteste mit Nikolaus Harnoncourt und seinem Concentus Musicus Wien.
Wohl war es ursprünglich eine reine Bläser-Ouvertürensuite. Diese ist das Juwel dieser Aufnahme mit ungemein ins Ohr gehenden langsamen Sätzen, pathetischem Lentement und ins kunstvolle Fugato schallenden Waldhörnern. Der Zauber einer Serenade auf einer Schloss-Terasse wird eingefangen.

Desgleichen ist die zweite F-Dur Suite eine feine Musik mit plein Air Trümpfen und einem Trio im Menuett, das aus der Reihe tanzt. Wie eine stockende Sarabande, die mit pochenden Akzenten überrascht.
Die französischen Trios sind delikat und ungemein kantabel, bereits Quantz lobte sie, denn ebenfalls ist eine Ausführung auf dem Traverso denkbar.
Eine kleine Preziose ist desgleichen das kurze Menuett aus Telemanns Musikjournal dem Getreuen Music-Meister für zwei Waldhörner.

Und das ein Militär-Marsch zum Stückschiessen der Artillerie der Krönungs-Stadt Frankfurt a. M. auch mit Trommel Grund tänzerische Qualitäten haben kann, dafür sorgte Telemann hier mit einer dritten Oboe.

Die eigentlichen Bläser-Harmonie-Stücke klingen hier schon wie des 20 jährigen Mozart Harmonie-Musiken für Salzburg, die als Fürstbischöfliche Divertimenti für Schloss Mirabell entstanden, nur freilich in barockerer Form mit einer einleitenden Ouvertüre a la francaise.
Der Sound ist identisch und in den Menuetten und langsamen Sätzen nähern sich beide Genies der Tonkunst bereits gespenstisch nah an.
Dank der vorzüglichen Holz- und Blechblaskunst des L‘Orfeo Bläserensembles.

Jean B. de Grammont