Joseph Haydn sämtliche Sinfonien Vol.18 und 19.

Die lobenswerte Gesamtedition sämtlicher Sinfonien von Joseph Haydn ist wieder ein Stück weitergekommen. Vor kurzem sind beim Label Alpha Vol. 18 und Vol. 19 erschienen.
In der bewährten Aufteilung von zwei Orchestern, die sich die große Aufgabe teilen Haydns sinfonischen Kosmos zu erschließen, überdies mit der Erfahrung historischer Aufführungsweise und Original-Instrumenten.

Die Gesamtleitung liegt in den Händen von Giovanni Antonini und möglich macht diese grandiose Reihe die Joseph Haydn Stiftung in Basel.

Gleich das Album Vol.19 mit dem Titel Trauer, eingespielt vom Mailänder Il Giardino armonico wartet mit einigen Trümpfen auf, wozu zwei Haydn Sinfonien aus dessen Sturm und Drang Periode der 1770er Jahre zählen. Darunter die sogenannte Trauersinfonie in e-Moll und vorneweg eine c-Moll Sinfonie, die es wahrlich in sich hat. Wohl wurde diese einst in Esterhazy zur Karwoche aufgeführt.

Mit Elan und warmem Klang werden die kühnen Schroffheiten dieses Werks herausmodelliert. Es enthält so viele ungewohnte Passagen schon im Kopfsatz, das man beinahe meint hier schreibt schon Beethoven seine Sinfonie. Auch der langsame Satz ist ungewöhnlich und sehr ausgedehnt, das Menuetto mehr kunstvoll wie tänzerisch und das Finale huscht wirklich dahin wie eben Sturm und Drang.

Berühmter ist die sogenannte Trauer-Sinfonie. Haydn dachte mit dem langsamen Satz sordinierter Streicher darin, seine eigene Trauerfeier auszuschmücken. Das sollte zur Zeit der Niederschrift aber noch lange dauern und Werke wie die Pariser und Londoner Sinfonien sollten viel später folgen.
Mit ungestümem Elan wird die Trauersinfonie gegeben und das Finale hat ungemein Feuer. Während das kanonische Menuett darin kunstvoll gelassen wirkt und das Adagio eine Meditation und Melancholie ausströmt wie ein psychedelischer Trip.
Ein Gegenpol ist die frühe Haydn Sinfonie aus dem Jahr 1762 in prächtigem D-Dur, mehr ein jubelndes höfisches Fest wie ein Akt der Trauer.
Ausdrucksvoll  stehen zwei weitere Gastkomponisten Haydn zur Seite.
Da ist einmal Arvo Pört zu nennen mit seiner Klage für Streicher Da pacem Domine aus der Gegenwart und dann Samuel Scheidts Paduana dolorosa mit ihrer dunklen Traurigkeit.

Das Album Vol. 18 mit dem Titel Il Maestro Di SCUOLA und eingespielt vom Kammerorchester Basel historisch instrumentiert ist ebenfalls eine Fundgrube weniger bekannter Haydn Sinfonik.
Darunter eine prachtvolle C-Dur Sinfonie Nr. 56, die oft die Instrumente konzertieren lässt und burschikose Soli für Celio, Horn und Geige kadenzartig in den Eröffnungs-Satz einbaut.
Die beiden Dur Sinfonien in E und Es sind nicht weniger spannend, darunter eben auch der Schulmeister. Hinzu gesellt sich das mit Polonismen gespickte Presto eines sinfonischen Fragments des Francisczek Lessel.

Alle Werke werden pulsierend und mit Finesse geboten, die einfach zeigen welch ein großes Genie dieser bisweilen unterschätzte Joseph Haydn war.

Jean B. de Grammont

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