Die Insel Mainau-ein Besuch Ende September

 

Copyright der Bilder und des Textes beim Verfasser, dito der Aquarell-Skizze.

Unlängst besuchte ich eine zauberhafte Insel im Bodensee. Es war die berühmte Mainau.
Es war herrliches Spät-September Wetter.
Schon lange war ich nicht mehr auf diesem Eiland gewesen. Freilich ist es ein Touristenmagnet und will man Ruhe haben und bei sich sein, ist es eher ein ungünstiger Ort. Aber es verläuft sich und es gibt auch hier Inseln der Stille und an schönen Winkeln mehr als genug. Ein Eiland für Blumen und Gartenfreunde, für Tagträumer und Schwärmer, ja Poeten, Maler und Schriftsteller wie artverwandter Bereiche, denen wir uns zugehörig fühlen.

Ich wählte ein Kursschiff, um hin zu gelangen.
Und die Insel stieg auf wie ein Märchenparadies vor meinen entzückten Augen direkt aus den Wellen des Bodensees.
Vorne vor dem Bug, da lag das riesige ockerfarbene Barockscloss mit seinen Zelt-Dächern, umrankt von hohen Baumkronen und üppigen Gärten auf dem erhobenen Rücken des Berges.
Ich musste an Eduard Mörikes herrliche Verse über die fantastische Insel Orplid denken, die da lauten:

Gesang Weylas

Du bist Orplid, mein Land.
Das ferne leuchtet!
Vom Meere dampfet Dein besonnter Strand
Den Nebel, so der Götter Wange feuchtet.

Uralte Wasser steigen
Verjüngt um Deine Hüften, Kind!
Vor deiner Gottheit beugen
Sich Könige, die deine Wärter sind.

Eduard Mörike

Ich nahte mich dem Eiland und betrat unweit des Greifen mit dem Badischen Schild und Wappen wieder festen Boden. Also war ich mitten in der Geschichte dieser Garten-Insel. Bereits wohl von den Römern als Flotten-Stützpunkt genutzt, war es im Mittelalter der Deutsche Orden, der zuerst hier eine Burg errichtet hatte und das schon im 13.Jahrhundert, diese Anlage wurde sukzessive erneuert und ausgebaut.

Allerdings nützten während des 30jährigen Krieges diese Fortifikationen wenig gegen ein schwedisches Heer von 3000 Mann unter General Karl Gustav Wrangel, die nach zwei Tagen, die von lediglich gut 5O Mann verteidigte Ordensfeste, mit ihrer Artillerie sturmreif geschossen hatte.
Es gab freien Abzug für die Ordensleute und daraufhin wehte die schwedische Fahne erstmals auf der Mainau. Viel später sollte das der französisch schwedischen Familie Bernadotte auf friedlichem Wege erneut gelingen. Deshalb wundere man sich nicht über die schwedische Flagge auf dem Schloss.

Im Zeitalter des Barock ließ derselbe Orden unter Komtur Reinhard Ignaz Franz Freiherr von Schönau ab 1735 ein prächtiges dreiflügeliges Schloss errichten mit beigesellter großer Kapelle. Die alte Burg wurde fast ganz abgerissen. Dasselbe Schloss ist heute der Mittelpunkt der Insel und zugleich der höchste Punkt, vor allem die große Terasse, die Markgraf Friedrich I. von Baden anlegen ließ, die vor dem pleasure ground des italienischen Gartens, elne wunderbare Aussicht eröffnet.

Der Baumeister Johann Caspar Anton Bagnato, seines Zeichens Baumeister des deutschen Ordens im Barockzeitalter, sorgte für die wohlproportionierten Formen in schwingenden Linien mit ocker und rot lebhaft leuchtenden Fassaden und geschweiften Giebeln, die den Gebäuden eine fröhliche Solennität verleihen.

Im Ehrenhof des Schlosses wirken die Proportionen besonders beeindruckend, das Corps de Logis mit einem riesigen Wappen des Ordens unter einem großen Dreiecks Giebel. Unten die Sala terrena, die derzeit eine Sonderausstellung über Markgraf Friedrich I. von Baden zeigt. Darüber liegt ein prächtiger Fest-Saal, der heute für Veranstaltungen genutzt wird.
Unweit davon gibt es im Erdgeschoss ein feines Café, wo es möglich ist, unter den Augen des schwedischen Königspaares Karl V. und seiner Gemahlin und Markgraf Friedrich I. von Baden, die Ihnen von wohlgemalten repräsentativen Porträts auf den Teller schauen, gute Torten beim Lüsterlicht zu genießen, u.a. sei die vorzügliche Bernadotte Torte empfohlen. Auch der Service ist angemessen und höchst professionell.

Darauf verlässt man am besten das Schloss über ein riesiges Gewächshaus aus Glas, das sogenannte Palmenhaus mit hochwachsenden Palmenarten. Nach dieser exotischen kleinen Reise breitet sich direkt die balustergesäumte hohe Terrasse zum sogenannten Italienischen Garten, der sich davor mit Brunnen und Statuen und gezierten Rosen-Beeten weitet. Welche Fülle an Rosensorten findet sich hier! Und es duftet in den erquicklichsten Odeurs. Und da steht eine weiße Marmor-Statue der Ceres, am anderen Ort sind  Kübel mit Palmen platziert.
Auch andrere Statuen mehr sind zu finden, von Flora bis zu einem Spinario, dem Dornauszieher Knaben, in einer Kopie des berühmten Exemplars auf dem Kapitol in Rom.

Ein paradiesischer Ort ist das, der an barocke italienische Garten-Architektur mit geometrischen Beeten anknüpft und eben von Markgraf Friedrich I. von Baden angelegt wurde, wie auch überhaupt die Umgestaltung der Mainau in einen großen Park wesentlich auf diesen bedeutenden Regenten und liberalen Kulturmenschen zurück geht.

Besonders reizvoll ist der Blick von der Terasse auf ferne Berge und große Baumgruppen, nach drei Seiten sind Blickachsen mit schöner Aussicht zu gewärtigen. Lauben und Pergolen geben unten Schatten im Rosengarten.

Klugerweise hat die Familie Bernadotte, die nach Markgraf Friedrich von Baden in den Besitz der Insel kam unter Graf Lennart Bernadotte, der auch ein hervorragender Fotograf war, anno 1972 die Mainau in eine Stiftung verwandelt und diese erst  zur öffentlichen  Blumen-Insel verschönert.

Ein ganzes Heer von Gartenpersonal kümmert sich um den großen Park und die vielen Gewächse.
Zur rechten ist es mehr ein englischer Garten, mit hohen alten Bäumen und Wiesenflächen. Davor in der Ecke steht der alte runde Schwedenturm.

Da recken  u.a. Mammutbäume, Blutbuchen und Tulpenbäume im Wechsel ihre Äste zum Himmel.

Nicht zu vergessen die prächtige  Kirche Bagnatos im reinsten Rokoko, da prangen  Stuck und Skulpturen von Johann Anton Feuchtmayer, es gibt  farbschimmernde Fresken wie Altäre mit einem marianischen Programm von Franz Joseph Spiegler an den Plafonds, endlich  Bandelwerk Stuck von Francesco Pozzo zu bewundern. Ein lichter heller Raum, beschwingt wie eine Messe von Mozart oder den Haydn Brüdern ist das.
Auch befindet sich hier die Grablege von Lennart Bernadotte und seiner Mutter Marija Pawlowna Romanowa.

Vom italienischen Garten führen Terassen mit Wasserspielen und Kaskaden herab zum Dahlien-Garten, der gerade im Herbst frohlockt und leuchtet und direkt vor dem See am mäandernden Ufer mit alten Bäumen beschattet sich breitet.
Nah liegen die Ufer des Festlandes und weit noch streckt sich der Garten der Mainau bis zur Brücke, die über das Festland führt.
Da gibt es Attraktionen wie das Falterhaus, wo die Wunderwelt der Schmetterlinge entdeckt werden kann und vieles Andere mehr.

Doch nach einer im Rosengarten auf einer weißen Bank genossenen Zigarre, dem Entwurf eines Aquarell-Skizze auf der Anhöhe nahe der alten Pawlowna-Linde, einen Blick auf den hohen betagten Gingko-Baum nahe der Kirche und der Büste von Prinzessin Louise von Preußen, der Gemahlin Markgraf Friedrich I., war es schon wieder Zeit Abschied zu nehmen, denn das letzte Kurschiff an diesem Nachmittag wartete bereits.

Vielleicht gedenkt man des Gedichts Goethes über den Gingko Baum, dem berühmten Gingko Biloba, an dieser Stelle oder desgleichen an Stefan Georges gleichsam in Marmor gemeißelte Verse „der herr der insel“ aus dem Buch der Hirten- und Preisgedichte.
Aber das sei nur ein kleiner Fingerzeig an die leider aussterbende Spezies der wirklich literarisch Gebildeten unter den meist zunehmend immer trivialer und kleingeistiger sich gebärdenden Teutonen-Philistern der Gegenwart, in der es nur noch um den schnöden Mammon zu gehen scheint.

Vielleicht ist es überhaupt ein sinnloses Unterfangen stunpfsinnigen „Germanen“, oft grobschlächtigen Figuren ohne Sinn für Lebensart und Kunst, Freude an Kultur und Genuss nahebringen zu wollen.

Das bestätigt übrigens in ganz anderem Kontext das, sich als führendes Feuilleton verstehende, sich dem kulturellen und sonstigen Niedergang dieses Landes nahtlos anschließende, früher erste Printmedium dieser Republik, dass uns nach neueren Schädelforschungen einer schottischen Forensikerin einen Johann Sebastian Bach präsentierte, der eher aussieht wie ein Thüringischer Metzger-Meister für Wurst-Fugen, als ein Vollender der Kunst des Barock.
Überdies noch in einem Aufguss viele Jahre nach dieser bahnbrechenden Erkenntnis. Vor lauter Einfallslosigkeit wahrscheinlich.

Wen wundert es, sofern ein Musik-Redakteur sozialisiert in DDR Kinderzimmern seine ungelenken Wortschablonen drechselt! Da kann, wie es auf Neudeutsch heißt, ja nur German Bullshit gemischt mit Seminar-Mief aus einem musikwissenschaftlichen Institut zugespitzt zu höchster Langeweile rauskommen.

Da ist mir allein schon körperlich, der weit filigraner gebaute Jean Philippe Rameau  lieber, bei allem Respekt! So wie le Compositeur eine colorierte Zeichnung des 18. Jahrhunderts zeigt.

Rameaus Musik besitzt Eprit, Grazie und Geist.

Auch Johann Sebastian Bach ist ein großartiger Komponist, nicht das es Missverständnisse gibt. Bach und seine Söhne zählen zu meinen Favoriten wenn es um deutsche Musik dieser Zeit geht.

Aber verkrampfe Deutungen des Feuilletons eines bornierten Wichtigtuers sind mir zuwider.

Aber dies nur am Rande. Rameau trank Champagner, der alte Bach Bockbier. Das sagt doch alles! Und ein hochgeschraubter Redakteur bemüht sich mit Tartuffe-Allüren aus thüringischem Bockbier einen grand cru zu machen, c‘est ridicule, mais c‘est la différrence!

Erfreuen Sie sich dennoch möglichst ungetrübt der Insel! Und lassen sie sowohl die oben genannte wie die nahe lokale Zeitung links in der Ecke liegen.

Bei diesem dürftigen Erzeugnis ist es noch schlimmer, schlecht formulierte KI generierte Artikel könnten Ihnen den Appetit auf die Bernadotte Torte gänzlich verderben.

Es ist dies ein hochgelobtes Organ, das freilich dem deutschen Kleinbürger verdeutlichen soll, die Welt wie sie ihm hier präsentiert wird, sei die beste aller Welten, damit er sich dann gemütlich neben den Gartenzwergen seines Vorgartens auf den von ihm in seiner vermeintlichen Mündigkeit durch ein Kreuz auf dem Wahlzettel, bestimmter Politiker und Politikerinnen ( leider oft  einer den figures minorum mediocerimorum angehörigen Spezies -Ausnahmen bestätigen leider die Regel) weiter bevormunden und abschöpfen lassen darf.

O mores o tempora!

Es gibt weit Besseres zu lesen auf der Insel Mainau! Nämlich das Buch der Gärten und der Kunst.

Übrigens  rate ich  davon ab, genannte Printerzeugnisse als Klopapier zu verwenden.
Es schadet Ihrer Gesundheit!

Würdiger enden schlechte, schlimme und wenige gute Artikel, selbst das kann gelegentlich vorkommen, sogar  in genannten Medien, auf den Wochenmärkten zum Einpacken von Blumen und vielleicht sogar leckeren Sachen.

Genießen Sie einfach unbeschwert die Insel Mainau! Und wenn Sie schon etwas lesen wollen, dann lieber ein Gedicht-Buch von Mörike.

Jean B. de Grammont

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