Luise Adolpha Le Beau Orchesterwerke

Um die Reihe an Komponistinnen-Porträts fortzusetzen, passt gerade sehr schön das neue Album des Labels CPO ins Bild mit Werken von Luise Adolpha Le Beau. Die Komponistin wurde 1850 in Raststatt geboren, als Tochter eines kunstsinnigen und Musik liebenden Offiziers, die dann ihre späten Jahre im nahen mondänen Weltbad von einst Baden-Baden bis zu ihrem Tod 1927 verlebte.

Auf der Scheibe mit dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt unter Leitung von Ernst Theis sind gleich mehrere große Orchesterwerke vereint, darunter eine Festouvertüre zur silbernen Hochzeit des Markgrafen Friedrich I von Baden und seiner Gemahlin Louise, das Klavierkonzert in d-moll und die einzige Sinfonie der Komponistin.

Alles große Formen also, die Luise Adolpha Le Beau meisterhaft handhabt. Und mit diesen großen Formen gab sie ein Statement ab, ich kann das auch Ihr Männer!

Beim Anhören dieser Musik könnte man fast meinen, das habe eine jüngere Schwester von Johannes Brahms komponiert.
Tatsächlich begegnete die Komponistin Johannes Brahms und Eduard Hanslick in Wien 1884 auf einer Konzertreise zwischen Leipzig, Salzburg und Wien. Beide wertschätzten durchaus die Musik der damals jungen 34 jährigen Komponistin.

Die junge Frau hatte glücklicherweise in ihrem Vater einen Förderer ihres Talents.
Deshalb konnte sie sogar bei wichtigen Lehrern lernen. Im Klavierspiel war es keine Geringere wie Clara Schumann, allerdings nicht lange, als Kompositionslehrer hatte sie das Glück von Johann Gabriel Rheinberger in München unterrichtet worden zu sein.

Anlässlich der silbernen Hochzeit von Markgraf Friedrich I. von Baden und seiner Gemahlin entstand die Concert-Ouvertüre in F-Dur.
Ein festliches Stück mit einer gewissen Leichtigkeit und duftig eingesetzten Bläsern.
Nicht allein Trompeten-Glanz fern allem Martialischen, sondern romantische Waldhorn-Passagen sind zu finden. Das wird vom Brandenburgischen Staatsorchester angemessen zelebriert.
Am beeindruckendsten ist dann Luise Adolpha Le Beaus einziges Klavierkonzert in d-Moll, dessen Eröffnung tatsächlich ein wenig an den energischen Beginn von Brahms Schwesterwerk in der gleichen Tonart erinnert.
Mit pochenden Pauken grundiert wird das Thema. Vollgriffig setzt bald das Piano ein und es entfaltet sich ein klug aufgebauter Konzertsatz mit raffinierter Instrumentierung, wo Oboen und Klarinetten sich sehr melodische Motive zuspielen und von den Streichern und dem übrigen Orchester grundiert werden. Dazwischen hat das Klavier Raum für Läufe und viel Ausdruck.
Erst 1922 führte die Komponistin selbst das Werk in Baden-Baden gemeinsam mit dem dortigen Orchester auf, über 30 Jahre nach dessen Entstehung.
Das Badische Tagblatt war voll des Lobes damals. Übrigens schrieb Le Beau selbst bisweilen für diese Zeitung Kritiken.
Auch der Schreiber dieser Zeilen hatte das Vergnügen (es war nicht immer eines, vor allem die Honorare) für dasselbe Blättle hin und wieder die Feder anzusetzen, bevor es von der BNN (Badische Nichtige Nachrichten genannt) geschluckt wurde.
Auch bei diesem grandiosen Organ des süddeutschen Lokaljournalismus vergnügte sich meine geübte Feder mit Gastspielen, bis es hieß, im Kulturbereich sind wir ausreichend besetzt, das stimmt wohl, denn ausreichend kommt im teutonischen Schulsystem kurz vor ungenügend. Auf meine freundliche Replik freilich, wenn Ihnen ausreichend genügt, erhielt ich leider von dem mutmaßlich hochvermögenden Redakteur en chef bis heute keine Antwort. Ich fürchte ich habe den armen Mensch schlicht überfordert, was mir überhaupt nicht leid tut.

Doch zurück zum Klavierkonzert.
Besonders gelungen ist das in warmen Linien singende Poco Adagio. Die lyrische Kantilene des Flügels wird in weiten Bögen vom Orchester accompagniert.
Ein recht munteres Finale in schönster Rondo-Manier lässt dieses ansprechende Piano-Concert ausklingen. Oliver Triendl übernimmt den Solo-Part in der Aufnahme mit Feingefühl und Akkuratesse und Sinn für große Bögen.

Das Brandenburgische Staatsorchester gibt einen schwungvoll und kraftvollen Rahmen unter der Stabführung von Ernst Theis.

Nicht weniger interessant ist Le Beaus einzige Sinfonie in F-Dur.
Die vier Sätze sind nicht von der Überlänge wie manche Sinfonien der männlichen Kollegen dieser Epoche.
Aber musikalisch bewegt sich die Musik durchaus auf Augenhöhe.
Eine markante Eröffnung mit Feuer und satztechnisch ausgefeilt, steht voran.
Ein verträumtes Adagio mit viel schönen Holzbläser-Partien. Ein hurtiges Scherzo mit Trio und ein tänzerisch beschwingtes Finale ergeben eine gute Sinfonie.
Auch hier sorgen die Brandenburger unter Ernst Theis Dirigat für eine spannende und ansprechende Darbietung.

Dass auf dem Cover der CD ein colorierter Stahlstich mit der Abbildung des berühmten Conversations-Hauses von Friedrich Weinbrenner und dem damaligen Hotel Messmer in Baden-Baden zu sehen ist, samt flanierender feiner Gesellschaft davor, passt gut ins Bild.
Es sieht hier fast aus wie der Beginn von Iwan Turgenievs Roman Rauch. Und irgendwo mittendrin flanierte vielleicht allerdings eine geraume Weile an Jahren später die Komponistin selbst.

Jean B. de Grammont

Gerne können Sie Ihre Wertschätzung dieses Blogs durch eine Spende ausdrücken.
Eine Bankverbindung finden Sie auf der Startseite unten. Un grand merci!