Domaine Sainte-Anne Saint Gervais

Einen ausgesprochen ordentlichen Côtes du Rhône Village probierte ich unlängst zu einem Klassiker der französischen Küche, nämlich zu Coq au vin. Ich entdeckte den Tropfen bei Jaques Weindepot.
Und zwar den Rotwein Domaine Sainte-Anne Saint Gervais der Winzerfamilie Steinmaier.
Früher galt diese Region als letzte Station vor der Hölle und eigentlich ungeeignet, um gute Weine herzustellen.
Doch das hielt besagte aus Burgund stammende Winzerfamilie nicht davon ab, es einmal zu probieren. Also gründete Guy Steinmaier in den 1960iger Jahren das Weingut.
Gut 35 Hektar Rebfläche stehen zur Verfügung.
Mittlerweile in der zweiten Generation mit den Söhnen Jean und Alain Steinmaier angekommen, kreieren die Winzer unter anderen eben diesen feinen Roten, der typische Qualitäten des Côtes du Rhone auf angenehme und ausgewogene Art entfaltet.
Das Bouqet dieser Cuvée aus Grenache und Syrah ist mild rund und ausgewogen. Ich probierte den Jahrgang 2024.
Ein wenig nach südlichen Kräutern, ein wenig Beeren-Aromen ergeben einen süffigen Speisenbegleiter, der auf der Zunge zergeht und nach dem Ziehen des Korkens mit feinen Odeurs in die Nase zieht.
Etwa zu Coq au vin ist das eine runde Sache.
Samtig und vielschichtig begleitet der Wein das Gericht.
Das klassische Etikett des Saint-Gervais, weiß mit goldenen Lettern, ist ansprechend und schlicht gestaltet.

Nachdem ich mit Vergnügen den Coq au Vin, comme il faut, bereitet hatte, machte ich mich an ein einfaches und ehrliches Dessert aus einem handgeschriebenen Rezept-Büchlein von 1870, namentlich pommes cachées geheißen, das sind mit Eierschnee und einem selbstgemachten Sirup glasiere Äpfel mit Mandeln bedeckt, die zuletzt im Ofen erhitzt werden.
Natürlich stammt auch dies wunderbare Rezept aus Frankreich, wo es zum Glück nach wie vor verstanden wird, zu leben und zu genießen.
Allen Widerwärtigkeiten zum Trotz.

Und selbst wenn sich Madame und Monsieur, um voran zu kommen mit einer Rostlaube begnügen, vielleicht ein alter 2CV, wichtig erscheint das was auf den Tisch kommt. Es ist nicht so wichtig den Nachbarn mit dem neuesten auf Pump oder geleasten Boliden zu beeindrucken.
Sondern Tischkultur steht voran. Manchmal nutzen selbst Château Besitzer einen alten Renault, der Bentley steht für besondere Ausfahrten dennoch in der Scheune.

Nicht das wir etwas gegen schicke Autos haben, ganz im Gegenteil. Aber ich möchte nicht wissen, was bei den engeance de rodomonts in Deutschland so auf den Tisch kommt, nur damit der Schein gewahrt bleibt und die Nachbarn große Augen machen.

Übrigens ist der Wein Domaine Sainte-Anne Saint-Gervais durchaus erschwinglich für die gebotene Qualität. Knapp über 10 Euro lassen Sie auf der Ladentheke liegen.

Jean B. de Grammont

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