Johann David Heinichen Italienische Kantaten

Johann David Heinichen war ein meist am berühmten kulturaffinen Dresdner Hof tätiger Komponist.
Heinichen war viel in Italien unterwegs , um seine Kompositionskunst zu vervollkommnen.

Ihn sollte man eigentlich, wenn man die Neuaufnahmen der bei CPO erschienen italienischen Kantaten hört, Giovanni Davide Henichi nennen. Alle führenden Komponisten Italiens seiner Zeit erlebte Heinchen live und teils knüpfte er Kontakte.
Ein kleiner Heini war er mitnichten, wie man meinen könnte, wenn man den Namen hört.
Als einer der ersten hat vor Jahren Reinhard Goebel mit seiner Musica Antiqua Köln mit einer splendiden Aufnahme seiner Concerti per molti strumenti für diesen Komponisten geworben.

Die venezianische Sopranistin Miriam Albano hat nun zusammen mit der ausgezeichneten Akademia Montis Regalis sich angeschickt, diese Schätze das erste Mal einzuspielen, zugleich ist es das Debüt Album der Sängerin.

Glücklicherweise hat man in der Nachbarschaft des Leipziger Bach nicht immer diese kontrapunktische Dudelei gepflegt, pardon, sondern dafür einen flüssig eleganten Kompositions- Stil, der wirklich sehr italienisch ist und dennoch polyphone Raffinesse hat, weitestgehend mit der Musik Händels verwandt ist und auch ein wenig an Telemanns Sanglichkeit erinnert.
Vielleicht meinte der alte Bach Heinichen, als er sich an seine Söhne wandte und etwas despektierlich schrieb, sie sollen sich die Dresdner Liedlein, anhören, aber wohl eher war Heinichens Nachfolger Hasse gemeint, denn Heinichen starb bereits 1729 an Tuberkolose.

Miriam Albanus himmlisch leuchtender Sopran, der zugleich die Tiefe eines samtigen Mezzo besitzt, ist hier wunderbar geschmeidig und beweglich und lässt gerade diese weltlichen Kammerkantaten in schönster Weise wieder aufleben. Zwei sind Huldigungskantaten des Königs und seiner Gemahlin Josepha, also von August III von Sachsen und König von Polen, dann gibt es idyllische pastorale Kantaten in der Dichtung im Stile eines Petrarca, eine Liebes-Klage auf Doris.
Die Academia Montis Regalis begleitet mit Akkuratesse. Bemerkenswert ist die teils größere Besetzung zu den Streichern treten Flauti dolci, Traversi, und selbst Hörner. In derLiebesklage der Doris führt eine Solo Oboe.

Es lohnt sich sehr, diese Kammer- Kantaten zu hören und zu entdecken es ist eine wahre Fundgrube des hochbarocken Geschmacks, der in der exzellenten Dresdner Hofkapelle gepflegt wurde. Große Kunst des Spätbarock. Una vera sopresa.

Jean B. de Grammont