

Wer meint dass die eigentliche russische Musik erst im 19. Jahrhundert mit Glinka und Tschaikowsky begönne, liegt doch etwas daneben: es gab bereits im 18. Jahrhundert Komponisten wie Evstignej Fomin und den aus Böhmen zugewanderten Ernst Wanczura, die für ganz eigene Töne sorgten am Zarenhof in Petersburg.
Eine kleine Auswahl von Orchester Musik hat nun das Ensemble Altera Pars beim Entdecker Label CPO unter Leitung von Pavel Serbin und der Flötistin Polina Gorshkova vorgelegt.
Pavel Serbin, der auch lange Zeit als Cellist und Gambist das exzellente russische Original Klang-
Orchester Pratum Integrum leitete, ist der beste Botschafter dieser Musik.
Bemerkenswert ist die Ballettmusik Fomins zu seiner Oper „Boeslavich“, der bereits in jungen Jahren ein Stipendium erhielt, um in Italien seine Ausbildung als Architekt und auch Musiker zu vollenden.
In diesen Stücken, teils Tanz Sätze, wie Maestoso Klängen und raschen Märschen, kleinen Lentos und so weiter, fällt besonders die reiche Bläserbesetzung mit Klarinetten und anderen Harmonieinstrumenten auf.
Es ist eine abwechslungsreiche tänzerische, ja graziöse Musik, die unmittelbar ins Ohr geht.
Das Original Klangensemble spielt mit Verve und Schwung und durchsichtigen ja warmen Klang.
Die Sinfonien Wanczuras hingegen überraschen mit ihrem Einbau ukrainischer und russischer Volkslieder, kommen allerdings ganz im italienischen Gewand daher und sind dreisätzig.
Diese Sinfonien lohnen die Entdeckung und geben mal ein ganz anderes Bild der Orchestermusik der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das auf eigene Weise reizvoll ist.
Analog zu der schönen Ansicht des Winterpalais in Petersburg mit Anlegestelle auf dem Cover, dessen Original in der Ermitage in Petersburg zu bewundern ist, spinnen sich hier die die Töne und Klänge des 18. Jahrhunderts wie in einem bunten Kaleidoskop.
Gab es auch im 18. Jahrhundert genügend Kriege so wie heute; aber wenigstens auf dieser Scheibe scheint eine friedliche Koexistenz zwischen Ukraine und Russland möglich, die natürlich im Zaren Reich ohnehin selbstverständlich war, es war ja ein Land. Und hier sind wir im Reich der Künste und nicht der Waffenindustrie.
Hören Sie einfach mal rein, egal wie Sie dazu stehen, der Sieg ist auf ihrer Seite!
Jean B. de Grammont

