
Der französische Barockkomponist Dornel gehört vielleicht nicht zu den ganz großen Meistern seiner Zeit.
Dennoch war Louis-Antoine Dornel ein fertiger Compositeur und vorzüglicher Organist wie Clavecin-Spieler. Immerhin engagierte ihn die berühmte Académie Française in Paris zu ihrem Haus-Organisten. Und das will etwas heißen, für diesen wenig bekannten Zeitgenossen von François Couperin und Jean Philippe Rameau!
Nun hat sich das L‘Orfeo Kammer-Ensemble unter Carin van Heerden angeschickt, dessen Triosonaten von 1713 Opus 3, in einer alten Ausgabe im Notenstich überliefert, aufzunehmen mit 2 Oboen, Gambe und Cembalo. Eine siebte Sonate ist mit 3 Dessus, hier Oboen ohne Bass besetzt.
Erschienen ist die Aufnahme bei CPO, dem Label das für wenig bekanntes Nischen-Repertoire die richtige Adresse ist. Auf dem Cover eine alte Ansicht der Kirchen von St. Geneviève und St. Etienne du Mont, besonders erstere suchte ich während meines Jahres in Paris gerne auf. Jeder Connaisseur wird sofort an Marin Marais wunderbares Trio für Gambe und Violine denken, dass den Glockenklang der Kirchen einfängt mit dem Titel La sonnerie des églises des St.E. et St. G. du mont.
(Siehe dazu unter dem Stichwort Marais eine Besprechung auf haute-culture-jdg.de)
Dornel, das ist spielfreudige Musik auf der Höhe der Zeit im besten französischen Goût.
Teils gibt es Sonaten- Titel wie
La Triomphante.
Tanzsätze und ein an die italienische Schule eines Corelli angelehnter Trio-Satz überwiegen.
Einmal beschließt eine schöne graziöse Chaconne eine Sonate.
Die Oboistin Carin van Heerden sowie Philipp Wagner und ihre Kolleginnen und Kollegen machen das gekonnt mit Charme und nasal vornehmen bis delikaten Oboenton.
Auch die Continuo Begleitung lässt nichts zu wünschen übrig.
Für Kenner des französischen Barock eine Empfehlung und echte Repertoire-Bereicherung.
Jean B. de Grammont

